Die Gründung des Ordens

Die Gründung des Ordens (1115 - 1127)
Die Geschichte des Templerordens beginnt bereits einige Jahre vor seiner eigentlichen Gründung. Im Gefolge des ersten Kreuzzuges wird schon im Jahre 1115 die Existenz einer Militia Christi erwähnt, die man heute als Vorläufer des Templerordens ansieht.

Zu dieser Zeit befand Hugo von Payns sich seit zirka einem Jahr im Königreich Jerusalem, das wegen der noch geringen Zahl christlicher Pilger und Siedler ständig um seine Sicherheit fürchten mußte. Man nimmt daher an, dass Hugo von Payns auch dieser ersten, noch unorganisierten christlichen Ritterschaft vorstand.

Den vermutlichen Anlaß für die offizielle Gründung des Ordens gab jedoch Ostern 1119 ein äußerst blutiger Überfall auf Pilger zwischen Jerusalem und Jordan. Unter dem Eindruck dieses Ereignisses, das von zahlreichen zeitgenössischen Chronisten erwähnt wird, scharte Hugo von Payns im selben Jahr einige Ritter um sich, um eine Miliz zur Verteidigung der Christen im Heiligen Land aufzustellen.

Er wählte die El-Aqsah-Moschee (Salomonischer Tempel) zum Hauptquartier und gründete dort den Sacer ordo militae templi Hierosalemitani, den Heiligen Orden der Ritter des Tempels zu Jerusalem. (Das Gründungsjahr ist allerdings umstritten. Manche Autoren erwähnen unter Verweis auf die damalige Zählung des Kirchenjahres auch das Jahr 1118 oder 1120)

Der Ordensschwur umfaßte die drei mönchischen Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit und der Armut. Als vierten Eid erlegten sich die Brüder jedoch auf alles zu tun, was in ihrer Macht stand, um die Straßen zu schützen und die Pilger gegen Raubüberfälle und Angriffe der Ungläubigen zu verteidigen.

Wie es heißt, hatte der Templerorden in den ersten Jahren seiner Existenz lediglich neun Mitglieder. Namentlich bekannt sind von diesen Gründervätern Gottfried von Saint-Omer, Archibald von Saint-Amand, Gottfried von Bisol, Pagan von Montdidier, ein gewisser Roland, und schließlich Hugo von Payns selbst. Fünf dieser neun Brüder reisten 1127 gemeinsam mit Hugo von Payns in den Okzident, um Mitglieder zu werben und die Ordensregel vorzubereiten.


Das Konziel von Troyes (1128)
Zwischen 1125 und 1130 ließ der Heilige Stuhl in ganz Frankreich zahlreiche Provinzkonzilien abhalten, auf denen ein Resümee über die Beilegung des Investiturstreits gezogen werden sollte. Auf eines dieser klerikalen Treffen, das Konzil von Troyes, wurde Hugo von Payns eingeladen, um die Zielsetzungen und Bekenntnisses seines Ordens vorzustellen.

Am 13. Januar 1128 (nach anderen Angaben 1129) trat der Rat aus hohen französischen Geistlichen zusammen. Unter den Anwesenden befanden sich der päpstliche Legat Frankreichs, mehrere Erzbischöfe, einige Laien sowie wichtige Würdenträger der Zisterzienser. Zu letzteren gehörte auch Bernhard von Clairvaux, der bei der Verfassung der templerischen Ordensregel eine wichtige Rolle spielte. Ihm wurde vom Konzil die Aufgabe übertragen, den Vortrag des Hugo von Payns zu überarbeiten, die Ergebnisse in Regeln zu fassen und das Statutenwerk mit einer Vorrede zu versehen. Nach Abschluß des Konzils lag die Ordensregel der Tempelritter erstmals schriftlich vor - die vormalige Bruderschaft hatte sich damit auch nach kirchlichem Recht als anerkannter Orden konstituiert.



Das Lob der neuen Miliz (1130 / 1131)
Programmatisch für den Templerorden wurde eine berühmte kämpferische Denkschrift, die Bernhard von Clairvaux 1130 (oder 1131) verfaßte. Ihr Titel: "De laude nova militia" (Vom Lob der neuen Miliz). Vor allem im ersten Teil der Schrift entwarf Bernhard in mitreißender Diktion ein Sittengemälde der Ritterschaft seiner Zeit - und geißelte die weltlichen Ritter als gottlos, genußsüchtig und verweichlicht.

Gegen dieses Bild der verderbten Ritter, die in der Gefahr seien, ihre Seele zu Töten, wenn sie ihren Gegner körperlich töten, setzte Bernhard die neue Ritterschaft, eine fromm und asketisch lebende Gemeinschaft, die zugleich jedoch bereit sein müsse, mit dem Schwert einen Krieg Gottes im Heiligen Land zu führen. "Zieht also los in aller Sicherheit, Ritter, und kämpft ohne Furcht gegen die Feinde des Kreuzes Christi (...)". Der Aufruf des heiligen Bernhard besaß zweierlei Funktion; einerseits war er die endgültige Rechtfertigung der Ideen des Mönchsrittertums - und damit des Templerordens -, zum anderen aber auch eine Agitationsschrift, die weltliche Ritter indirekt zum Eintritt in den Orden aufforderte.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Ab 1130 nahm der Orden personell und wirtschaftlich einen starken Aufschwung. Wie sehr sich der Gedanke des Mönchsrittertums selbst in höchsten geistlichen Kreisen verfestigte, zeigt die neun Jahre nach Bernhards Schrift veröffentlichte päpstliche Bulle datum optimum, die dem Orden weitreichende Privilegien einräumte. In der päpstlichen Erklärung wurde der Templerorden offiziell als christlicher Militärorden anerkannt: "Gott selbst hat euch zu Verteidigern der Kirche und Gegnern der Feinde Christi gemacht." (Papst Innozenz II.)


Der Aufstieg des Ordens (1130 - 1180)
Mit der Werbereise des Hugo von Payns und dem erfolgreichen Konzil von Troyes befand sich der Templerorden ab 1130 in einer soliden Ausgangssituation für eine rasche Expansion. Die innere Struktur des Ordens war geregelt, seine Mission wurde von der Kirche gebilligt und sein wirtschaftliches Fortkommen vom Papst persönlich gefördert. Unter dem Großmeister Robert von Craon wurde die Ordensorganisation weiter gefestigt.

Mit der Bulle datum optimum, die Papst Innozenz am 29. März 1139 veröffentlichte, gelang dem Templerorden der wirtschaftliche Durchbruch. In ihr wurden den Mönchsrittern weitreichende Privilegien eingeräumt, so etwa Steuerfreiheit, Schenkungsrechte, Lizenzen zum Geldverleih und zum Teil sogar Rechte auf die Erhebung eigener Steuern. Fast noch wichtiger war jedoch die direkte Unterstellung des Ordens unter die päpstliche Aufsicht; durch diesen Schritt gelangten die Templer in eine von Staatsgewalten unabhängige Position.

In den Nächsten Jahrzehnten wuchs die Zahl der Beitritte zum Orden rasch an. Stets mit dem Eintritt verbunden waren umfangreiche Schenkungen, häufig größere Gebiete und Anwesen, auf denen Komtureien gegründet werden konnten. Besonders in Spanien, wo die Templer ab 1143 offiziell für die Reconquista kämpften, waren die Gebietszuwächse erheblich. Ein Fünftel des mit Hilfe des Ordens eroberten Territoriums wurde ihm geschenkt. Besonders in Aragon begründeten die Templer so ihre militärische Machtposition, die sie mit den Festungen Monzon, Castellotte, Chalmera, Miravet und Asco eindrucksvoll zur Schau stellten. Systematisch erwarb der Orden im ganzen Okzident Ländereien, um die Komtureien zu größeren Gebilden zu verbinden.
Im Heiligen Land stand die militärische Präsens im Vordergrund. Die Leitung des zweiten Kreuzzuges wird als erste bedeutende militärische Aktion der Templer betrachtet. Die Ordensritter beteiligten sich nun überhaupt verstärkt an Kriegshandlungen. Es häuften sich nicht nur Berichte über ihre Erfolge, sondern auch über die Zahl der Gefallenen und Gefangenen. So starben die Großmeister des Ordens Bertrand von Blanquefort (1157), Odo von Saint-Amand (1179 / 1180) und Gerhard von Ridgeford (1187) in Gefechten mit dem orientalischen Gegner.


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