Die Kreuzzüge

Der erste Kreuzzug Der erste Kreuzzug begann zum Jahreswechsel 1096/1097. Eine gewaltige christliche Streitmacht, die vorwiegend aus Franzosen und Normannen bestand, schlug den Landweg Richtung Kleinasien ein. Ziel des Mammutunternehmens war die Befreiung des Heiligen Landes von den Ungläubigen.Im Abendland glaubte man zunächst, der Zug nach Jerusalem werde schon nach wenigen Wochen erfolgreich abgeschlossen sein; bald stellte sich jedoch heraus, dass die starke Gegenwehr der orientalischen Staaten nicht im Handstreich zu brechen war. Die Kreuzfahrerheere erlitten durch Kämpfe und Seuchen empfindliche Verluste, drangen jedoch mit Siegen gegen seldschukische Städte schon im Oktober 1097 bis Antiochien vor. Dort allerdings saß das Christenheer ein Jahr lang fest. Erst 1098 konnte die Stadt nach dem Verrat eines türkischen Offiziers eingenommen werden. Nach mächtigen Gegenangriffen der Seldschuken und verschiedenen Meutereien im Lager der Kreuzfahrer schien das ganze Unternehmen zwischenzeitlich allerdings vom Scheitern bedroht. Raimund von Toulouse schließlich setzte mit seinem entschlossenen Weitermarsch entlang der Küste Syriens den Kreuzzug fort. Das Kreuzfahrerheer erreichte 1099 Jaffa und zog von dort landeinwärts gegen Jerusalem. Am 7. Juni 1099 erreichten die christlichen Heere den Mons Gaudii, von dem aus die Heilige Stadt erstmals zu sehen war. Doch erst nach dem Bau der nötigen Sturmmaschinen gelang am 15. Juli der Einfall in die stark befestigte Stadt. Nachdem Edessa und Tripolis sich schon 1098 als erste Kreuzfahrerstaaten gegründet hatten, schuf Balduin I. im Jahre 1100 nun auch ein Königreich Jerusalem. Jerusalem sollte eigentlich die Oberherrschaft ueber alle Kreuzfahrerstaaten übernehmen; tatsaechlich jedoch regierte es nicht einmal gesichert ueber ganz Palästina. Weite Teile der umliegenden Ländereien wurden weiterhin von Moslems kontrolliert. Interne Streitigkeiten zwischen den Kreuzfahrerstaaten schwächten in der Folgezeit die Position der Christen im Orient erheblich - und ermöglichten die Rückeroberung Edessas durch den Islam 1144/45. Dieser empfindliche Rückschlag im Kampf um das Heilige Land gab im Abendland den Anstoß für einen neuerlichen zweiten Kreuzzug .


Der zweite Kreuzzug (1147-1149) Vor dem zweiten Kreuzzug war das Abendland in Aufruhr: Der Fall Edessas hatte im Abendland Entsetzen ausgelöst. Man vermutete, dass muslimische Truppen sich nun bestärkt sähen, auch Jerusalem anzugreifen. Die Furcht vor dem Verlust der eben erst gewonnenen Heiligen Stadt führte zu einer mächtigen Mobilisierung im Abendland. Großen Anteil an der neuerlichen Euphorie hatte Bernhard von Clairvaux, der 1146 in einer begeisternden Predigt einen zweiten Kreuzzug forderte. Bernhards Aufruf führte unter anderem zur Beteiligung des deutschen Stauferkönigs Konrad III., des französischen Königs Ludwig VII. und des sizilischen Regenten Roger II. Militärisch wurde der Kreuzzug jedoch ein Fiasko. Auf dem Weg durch Kleinasien wurden die Christenheere 1147 von türkischen Seldschuken fast vollständig aufgerieben. Die endgültige Zerschlagung der Truppen konnte nur dank der umsichtigen Führung des Templergroßmeisters Odo von Saint-Amand verhindert werden, der die Reste der Truppen sammelte und in sicheres Gebiet führte.
1148 begingen die Kreuzfahrer jedoch den zweiten schweren Fehler: Sie entschlossen sich zu einem Angriff auf Damaskus, in der Hoffnung, dort einen neuen Kreuzfahrerstaat gründen zu können. Auch dieser Versuch endete in einer katastrophalen Niederlage. Die abziehenden Christen wurden von der gegnerischen Reiterei sämtlich niedergemetzelt. Nachdem der Kreuzzug solchermaßen gescheitert war, kehrten die geschlagenen Monarchen 1149 erbittert und frustriert ins Abendland zurueck


Die Rückeroberung Jerusalems durch die Moslems In den Jahren nach 1180 herrschte politische Unruhe in Jerusalem. Die Templer hatten bei verschiedenen militärischen Expeditionen schwere Fehlschläge erlitten. Der glücklose Großmeister Odo von Saint-Armand trug daran große Verantwortung. Auseinandersetzungen mit den Moslimen, deren Anführer Sultan Saladin furchtlos und klug war, hatten den Truppen des Ordens und des König von Jerusalems schwere Verluste beigebracht. Man schloß einen Waffenfrieden mit dem Sultan, was den abendländischen Recken schwerfiel, jedoch nach Lage der Dinge unausweichlich war. Unter dem zweiten Nachfolger Odos, Gerhard von Ridgeford, wuchs sich die Krise Jerusalems, die nun auch eine Krise des Templerordens geworden war, zum Debakel aus. Nach einem vom Tempelgroßmeister unterstützen Staatsstreich gegen den König Jerusalems war die Lage in der Stadt instabil. In dieser Situation ließen die Christen unklugerweise und in offener Verletzung des Waffenstillstandes mit Saladin eine riesige Karawane von Mekkapilgern angreifen. Als Reaktion darauf rief Saladin die gesamte moslimische Welt gegen die Kreuzfahrer zusammen und besiegte bei Hattin in einer schicksalhaften Schlacht ein Christenheer von 15.000 Mann, davon 230 Tempelritter. Ein Teil der Gefangenen, vor allem die Templer, wurde nach dem Sieg sofort gehenkt. Das Heer Jerusalems war damit praktisch aufgerieben. Saladin eroberte in dem Feldzug, den er dem Triumph von Hattin folgen ließ, sämtliche Burgen und Provinzen des Königreiches im Handstreich. Im Oktober 1187 ergab sich nach wenigen Tagen Belagerung auch Jerusalem. Saladin ließ daraufhin zunächst die Spuren des Christentums tilgen. Zuerst konfiszierte er die Besitztümer der Templer, unter anderem den Felsendom und die El-Aqsah-Moschee, die er vom Ordenshaus in eine Moschee zurück verwandeln ließ. Die Anbauten der Templer an die Moschee ließ er abreißen.


Der dritte Kreuzzug (1189 - 1191) Das Debakel des zweiten Kreuzzuges blieb den lateinischen Staaten lange in Erinnerung. Nur zögernd entschloß man sich 1189 zu einer neuerlichen Militärexpedition. Auslöser war abermals ein Erfolg der Moslems im Heiligen Land: Sultan Saladin hatte 1187 Jerusalem zurückerobert - damit schien die gesamte Mission der Christenheit im Orient in höchster Gefahr. Federführend an der Durchführung des neuen Kreuzzuges beteiligt waren diesmal König Philipp August II. von Frankreich, Kaiser Friedrich I. und Richard Löwenherz, der König von England. Das Unternehmen begann erfolgversprechend: Die auf dem Seeweg anreisenden Engländer nahmen 1191 Zypern ein und vereinigten sich nach ihrer Landung vor Akkon mit dem französischen und deutschen Heer. Das unter Saladins Kontrolle befindliche Akkon mußte vor der Übermacht des lateinischen Heeres bald kapitulieren. Die Wiedereroberung Jerusalems scheiterte jedoch; nicht zuletzt deswegen, weil König Richard mit dem Herzog von Österreich ueber Fragen der Beuteaufteilung in Streit geriet, was die Geschlossenheit der christlichen Streitmacht untergrub. Als Richard Löwenherz 1192 das Heilige Land wieder verließ, erlitt er Schiffbruch und mußte auf dem Landweg durch Österreich weiterreisen. Der immer noch grollende Herzog von Österreich ließ ihn daraufhin verhaften und setzte ihn nur gegen Lösegeld wieder auf freien Fuß. Aus dem dritten Kreuzzug waren somit kaum Erfolge im Heiligen Land, wohl aber gravierende europäische Konflikte erwachsen.


Der vierte Kreuzzug (1202 - 1204) Ab 1202 kam es zum folgenschweren vierten Kreuzzug, der maßgeblich von Bonifatius II. von Montferrat und dem Dogen der aufstrebenden Seemacht Venedig geleitet wurde. Zunächst hatte es noch geheißen, man ziehe gegen Ägypten; nach einem Konflikt der Kreuzfahrer mit dem Kaiser von Byzanz wurde jedoch Konstantinopel, die damals reichste Stadt des christlichen Kulturkreises, angegriffen und vollständig geplündert. Papst Innozenz III., der anfangs noch protestiert hatte, sah nun die Möglichkeit, die griechisch-orthodoxe Kirche von Byzanz mit der römischen Amtskirche wiederzuvereinigen. Es kam zur Zerschlagung des gesamten byzantinischen Reiches und zur Errichtung eines Lateinischen Königreiches unter französisch-venezianischer Führung. Die Rolle der Lateiner im Osten wurde durch die Zerstörung des Byzantinerreiches jedoch nicht gestärkt, sondern eher geschwächt. Byzanz hatte als Bollwerk des christlichen Kulturkreises im Osten gegolten; seine Vernichtung geschah im Interesse des römischen Papstes und hatte mit dem eigentlichen Kreuzzugsgedanken nichts mehr zu tun. Wie sich außerdem bald erweisen sollte, waren die neuen Machthaber Konstantinopels keineswegs in der Lage, ihr Herrschaftsgebiet ausreichend abzusichern


Der fünfte Kreuzzug (1217 - 1222) Den fünften Kreuzzug bereitete Papst Innozenz III. vor. Er hatte große Anstrengungen darauf verwendet, eine breite Mobilisierung zu erreichen. Trotz der propagandistischen Vorarbeit blieb das Christenheer, das sich 1217 Richtung Heiligen Landes in Bewegung setzte, enttäuschend schwach. Der erst in Palästina beschlossene Vorstoß gegen Ägypten zeitigte zunächst dennoch beachtliche Erfolge: Am Nildelta erzielten die Christen große Gebietsgewinne, Damiette wurde vorübergehend eingenommen. Nach Streitigkeiten zwischen König Johann von Brienne und dem Kardinallegaten Pelagius von Albano jedoch komplizierte sich die Situation. Pelagius lehnte mehrere großzügige Waffenstillstandsangebote der Moslime ab. Als das Kreuzfahrerheer 1221 auf Kairo marschierte, wendete sich das Blatt:. Die Ägypter durchstießen zu ihrer Verteidigung die Dämme des Nils und überschwemmten das christliche Heer derart, dass Pelagius schließlich kapitulieren mußte. Gegen die Rückgabe Damiettes ließ man die geschlagenen Kreuzfahrer schließlich abziehen. Der gescheiterte Ägyptenfeldzug war der letzte Versuch der römischen Kirche, die Leitung eines Kreuzzuges zu übernehmen. Pelagius, dem kirchlichen Legaten, gab man große Schuld an der taktisch katastrophalen Leistung. Verärgert war man jedoch auch, dass sich der deutsche Stauferkaiser Friedrich II., obwohl eigentlich gebunden an sein Kreuzzugsgelübde, nicht an der Expedition beteiligt hatte.


Der Kreuzzug Friedrichs II. (1228 - 1229) Der Stauferkaiser Friedrich II. hatte sich im fünften Kreuzzug noch bedeckt gehalten. Trotz seines Kreuzzugs-Gelübdes hatte er auf ein Eingreifen verzichtet und dafür nach dem Scheitern des Kreuzzuges harsche Kritik geerntet. Sein Interesse am Heiligen Land wuchs erst, als sich der Kaiser 1223 mit Jolante-Isabella, der Erbin des Königsthrons von Jerusalem vermählte. Nach der Hochzeit nahm Friedrich sofort den Titel des Königs von Jerusalem an; seinen Ankündigungen, einen Kreuzzug führen zu wollen, ließ er dennoch lange Zeit keine Taten folgen. Papst Gregor IX. belegte den Kaiser daraufhin wegen Bruchs des Gelübdes mit einem Bann. Friedrich, völlig unbeeindruckt vom päpstlichen Zorn, ebnete sich den Weg nach Jerusalem aber auch ohne Waffengewalt. Der inzwischen als Mohammedanerfreund verrufene Kaiser handelte mit Sultan Malik al Kamil einen Vertrag aus, der als Frieden von Jaffa besiegelt wurde und den Christen zeitlich befristet die Hoheitsgewalt ueber wichtige Gebiete des Heiligen Landes einräumte. für die Dauer von zehn Jahren wurde ihnen Nazareth, Bethlehem, Askalon, Jaffa und Jerusalem (jedoch ohne Tempelberg) abgetreten. 1229 ließ sich Friedrich in der Grabeskirche von Jerusalem zum König krönen. Nach Ablauf der zehn Jahre besetzten die Mohammedaner allerdings sogleich wieder alle Städte. Jerusalem konnte zwar noch für kurze Zeit zurückerobert werden, ging aber den Christen 1244 wieder - und diesmal endgültig - verloren.


Der Kreuzzug Ludwigs IX. (1248 - 1254) Der zweite vornehmlich gegen Ägypten gerichtete Kreuzzug wurde von König Ludwig dem Heiligen (Ludwig IX. von Frankreich) angeführt und endete wie schon der fünfte Kreuzzug in einer militärischen Katastrophe. Die Christen hatten sich auf Zypern gesammelt und waren rasch bis Damiette vorgedrungen, das überraschend leicht erobert wurde. Als sie jedoch weiter ins Landesinnere vordrangen, schlug den Kreuzfahrern erbitterter Widerstand entgegen. Zu allem Unglück brachen gleichzeitig Seuchen aus, so dass Ludwig, selbst schwer krank, den Rückzug zur Küste befehlen mußte. Auf dem Weg dorthin wurde das geschwächte Heer jedoch von den moslimischen Truppen überrollt und gefangengenommen. Der König und ein Teil seiner Soldaten wurden 1250 nach der Zahlung eines namhaften Lösegeldes wieder freigelassen. Danach hielt sich Ludwig noch vier Jahre in der Region von Palästina auf und paktierte mit dem Mamelukensultan in Kairo, was jedoch außer der Freilassung des restlichen gefangenen Heeres des Ägyptenfeldzuges keine Vorteile einbrachte. Die letzten den Lateinern dort verbliebenen Festungen ließ er 1254, kurz vor seinem endgültigen Rückzug in den Okzident, nochmals verstärken.


Das Ende der Kreuzfahrerstaaten Nach der Abreise Ludwigs IX. aus dem Heiligen Land blieb in den Kreuzfahrerstaaten ein Machtvakuum zurueck. Der Mamelukensultan Baibars nutzte die Instabilität der lateinischen Regionen zu einem beispiellosen Eroberungsfeldzug. Da er gewahrte, dass die geistlichen Ritterorden beinahe die einzige noch funktionierende Streitmacht der Christen im Orient darstellten, konzentrierte er seine Attacken auf deren stark befestigte Burgen. 1268 fielen die Stadt und Festung Antiochia unter dem Ansturm der Mameluken. Baibars entfesselte in der Folge einen regelrechten Vernichtungskrieg gegen die Christen. Aus dem Abendland war nun keine Kreuzfahrerunter-stuetzung mehr zu erwarten, so dass die Lateiner mehr oder minder ihrem Schicksal überlassen blieben. Als Ludwig IX., der einzige Monarch, der sich ein gewisses Interesse an der Zukunft der Kreuzfahrerstaaten erhalten hatte, 1270 nach Tunis zog, wurden sein Heer und er selbst von der Pest dahingerafft.Zwischen 1286 und 1290 fielen der Reihe nach fast alle Städte und Festungen der Christen im Orient; allein Akkon, Tyrus, Sidon und Beirut hielten sich noch. 1291 schließlich wandte sich der Nachfolger Baibars, Qualawun, gegen Akkon, eine Stadt, die von den Christen gut zu verteidigen war. Nach einer 43-tägigen Belagerung hielten die Befestigungsanlagen dem Ansturm nicht mehr stand: Akkon wurde von den Sarazenen besetzt. Mit dieser Niederlage waren die Kreuzfahrerstaaten endgültig zerschlagen; zweihundert Jahre christlicher Herrschaft im Heiligen Land hatten für alle Zeiten ihr Ende genommen.

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