Die Vernichtung des Templerordens

Folgende Beschreibung macht dem Leser recht ausführlich klar, das die Vernichtung ein klar durchstruktuiertes Intriegenspiel war, wo so ziemlich jede Todessünde gegen den Orden aufgefahren wurde!
Das dahinter ein der übelsten Intrigen des Christentums steckt wird hier deutlich klargemacht...
Der schlechte Ruf der Templer
Wie es scheint, sind manche Sitten und Gebräuche der Templer schon von ihren Zeitgenossen mit einigem Mißfallen zur Kenntnis genommen worden. Sprichwörter wie Er säuft wie ein Templer oder gar Trinken und fluchen wie ein Templer sind oft zitierte Redensarten, deren Herkunft und Verbreitung nicht abschließend geklärt sind, die sich aber gleichwohl bis in die Gegenwart erhalten haben. In der Blütezeit der Templer, Mitte des 13.Jahrhunderts, wurde nachdrücklich in Frage gestellt, ob die Ritter vom Tempel es mit der Christentreue und der mönchischen Askese wirklich so genau nahmen. Denn Gelegenheit zu ausgedehnten Gelagen bestand mehr als reichlich: In fast allen Komtureien bemühte man sich, Wein zu produzieren, und generell waren die Herstellung und der Genuß von Alkohol in den klösterlichen Gütern des Mittelalters weit verbreitet.

Dass aber die Mönche ihre Gelage angeblich gemeinsam mit den feindlichen Sarazenen abhielten, schien unverzeihlich: Sie hegen einigen wölfischen Verrat unter ihrer Schafskutte, sonst wären die Sarazenen schon längst besiegt. Ihr Geiz und ihre Genußsucht brachten den Mönchsrittern eine Menge schlechter Kritiken ein: 1241 geißelte der englische Historiker Matthäus Paris die Ausschweifungen der Ordensleute, die durch so viele Einkünfte fett geworden seien. Es gab allerdings auch positive Beurteilungen.

Dass die Templer höchst wackere Männer seien, behauptete der fraenzösische Sänger Guiot de Provins. verbreitet. Dass aber die Mönche ihre Gelage angeblich gemeinsam mit den feindlichen Sarazenen abhielten, schien unverzeihlich: Insgesamt jedoch setzte sich der schlechte Ruf der Templer in vielen Köpfen fest. Die Vorwürfe von Geiz, Hochmut und ausschweifendem Lebenswandel nahm König Philipp als flankierende Behauptungen dankbar in seinen Anklagekatalog auf.

Sexuelle Ausschweifungen
Die Ordensregel verbot den Templern sexuelle Kontakte auf das Strengste. Ausdrücklich wurde sogar untersagt, Mutter und Schwester zu Küssen, da der alte Feind durch die Gesellschaft der Weiber viele von der geraden Bahn zum Paradies abgeführt habe. Im krassen Widerspruch dazu standen allerdings Redensarten wie Hütet Euch vor dem Kuß der Templer, die angeblich in England schon den kleinen Kindern mit auf den Weg gegeben wurden.

Die Templer, so lauteten Gerüchte, vergnügten sich mit jungen Frauen ihrer Besitzungen in hemmungslosen Orgien. Auf Zypern behauptete der Volksmund, eine Frau, die nie eine Freundschaft mit einem Templer gehabt habe, sei keine Dame. Eine vermeintliche Bestätigung fand die These von der Lüsternheit der Ordensleute sogar während der von Philipp anbefohlenen Verhaftungswelle: Einige Brüder, so hieß es, hätten sich der Festnahme nur deshalb entziehen können, weil sie die betreffende Nacht in einem Hurenhaus zugebracht hätten.

Den Gipfel der Groteske verewigte allerdings das Zedler Universallexikon 1744 mit seinem Beitrag über die Templer. Darin heißt es: dass sie die Kinder, welche ihre Huren zur Welt gebracht, einander so lange wie einen Ball entgegen geworfen, bis sie gestorben; die Körper derselben hätten sie hernach an einem Spieße gebraten (...)

Ungeachtet solcher Horrormärchen: Dass Templer mit Frauen geschlafen haben und es aus solchen Verbindungen auch Kinder gab, halten Historiker für sicher. Einig ist man sich jedoch auch, dass die Vorwürfe von den sexuellen Ausschweifungen nicht den gesamten Orden, sondern Einzelfälle betrafen.

Ausschweifungen und Götzenverehrung?
Das nächtliche Treiben der Ordensritter lieferte erste Verdachtsmomente. Es hieß, sie feierten wüste Orgien, obwohl sie das Gelübde der Armut und Keuschheit abgelegt hatten. Sie amüsierten sich nicht nur mit Jungfrauen von ihren Ländereien, sondern sogar mit den Töchtern Arabiens. Bei solchen Gelagen kursierte auch ein Rauschmittel, das sie angeblich von einer fanatischen Muslimsekte bekamen: den

Assassinen oder Haschisch-Fressern.

Ihre Trinkfestigkeit war sprichwörtlich. Er säuft wie ein Templer, hieß es im Mittelalter. Weit schlimmer aber war die Unzucht, die viele Brüder miteinander trieben. Eine schwere Fleischssünde, auf der die Todesstrafe stand, die der Großmeister aber ausdrücklich erlaubt hatte. Für ihre Homosexualität mußte sogar das offizielle Ordenssiegel herhalten: Zwei Reiter, eng aneinandergepreßt, auf einem Pferd. Die Skandale der Templer kamen durch Spione ans Licht.

Sie beobachteten ihre Zusammenkünfte aus Geheimverstecken, wie dieser winzigen Kammer in einer Säule. Neulinge wurden bei der Aufnahme gezwungen, Christus zu verleugnen und sein Kreuz mit Füßen zu treten. Wer sich weigerte, wurde in unterirdische Verliese gesteckt oder verschwand für immer.

Auszug aus den Berichten einer Templerforschergruppe: Der Tunnel in der Templer-Burg Monzon endet plötzlich 100 Meter direkt überm Abgrund. Sicher kein Zufall! Der schwerste Vorwurf lautete: Die Templer beten ein Götzenbild an. Einige beschreiben es als schwarze Katze.

Andere sagen, es sei ein Kopf mit zwei oder drei Gesichtern. Der Geheimcode dafür ist Baphomet, ein rätselhafter, nie geklärter Deckname. Wir haben in Kastilien nach Baphomet gefahndet, sind in ein völlig abgelegenes Gebirgstal geflogen. Die Türme dieser Burg stammen aus dem 15.Jahrhundert, aber die dicken Mauern reichen bis in die Templer-Zeit zurück. Noch heute traut sich kaum jemand aus der Umgebung in die Ruinen. Es heißt, dort spuken Ritter, die man zur Strafe lebendig eingemauert hat, Ritter mit blutenden Kreuzen. Früher kontrollierte die Festung ein riesiges Gebiet, mit Caracena als Zentrum. Caracena war im Mittelalter Verwaltungssitz für 20 Siedlungen.

Es besaß drei große Kirchen, hatte weit über tausend Einwohner. Heute endet hier die Straße, und in den wenigen erhaltenen Häusern leben gerade vier Familien. Auf dem Marktplatz steht noch der Pranger, Symbol für autonome Verwaltung und Rechtsprechung.

Das sterbende Dorf hat tatsächlich noch einen Bürgermeister, der die Schlüssel zu den Kirchen verwahrt. Ein Kunsthistoriker aus Madrid begleitet ihn.

Die Kirche San Pedro, ein Bau aus dem 12.Jahrhundert, romanisch. Feinste Steinmetzarbeit und ein riesiger Aufwand für dieses verschlafene Nest. Die Kapitelle der Vorhalle zeigen das typische Bildprogramm des Mittelalters: Biblische Szenen, wie die Wächter am Grab Christi, die im Stehen eingenickt sind.

Der Ritter im Kettenpanzer fällt da schon aus dem Rahmen. Ein Templer vielleicht? 1310, bei den Templerprozessen, stellte eine Untersuchungskommission fest, dass der Orden keine Güter in Caracena besaß.

Warum aber hat man überhaupt in diesem versteckten Winkel nach ihm gefahndet? Merkwürdig sind auch einige Bildsteine direkt unterm Dach: Ein Fabeltier schießt mit Pfeil und Bogen auf einen Kopf. Das Gesicht ist total verunstaltet. Jemand, der sich die Ohren zuhält, aber den Mund zum Schrei geöffnet hat. Man wird nicht schlau daraus. Das da oben, meint der Bürgermeister, sei ein Gorilla. Der Kunsthistoriker widerspricht. Woher sollte ein spanischer Bildhauer des 12.Jahrhunderts einen Menschenaffen kennen? Nein, es ist ein Kopf, der aus drei Gesichtern besteht.

Höchst ungewöhnlich - eine Sensation! Wir haben Baphomet gefunden, das Götzenbild, das die Templer angeblich anbeteten! Kein Ungeheuer, sondern ein mysteriöses Symbol der Dreifaltigkeit. Ein Wesen, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich vereint.

Einen Ähnlichen Kopf gibt es nur noch in England. Im Innern der Kirche entdecken wir weitere Hinweise auf den geheimnisvollen Templerorden. Diese alten Steinplatten stammen von einem Grab im Boden. Irgendwann hat man sie an der Wand befestigt. Ein paar Stücke fehlen, die lateinische Inschrift ist unvollständig, aber immer noch höchst aufschlußreich.

Pertenebat ad malam sectam - Er gehörte der üblen Sekte an, steht da. War der Tote ein Templer, der zu einer Zeit starb, als der Orden in die Schußlinie geriet? Dann heißt es weiter: Hic auro facta - Was da aus Gold gemacht war, erfahren wir nicht, weil die erklärenden Wörter fehlen. Man kann es sich aber gut vorstellen, wenn man die mittelalterlichen Kirchenschätze Kastiliens sieht.

Die Jagd auf die Templer
Die Jagd auf die Templer, die Mitglieder der üblen Sekte, begann in Frankreich und griff von dort rasch auf die Nachbarländer über. Sogar in Spanien, wo sie hoch angesehen waren, belagerten ab 1308 königliche Truppen ihre Burgen, beschlagnahmten Grund und Boden und setzten ihre Kapellen in Brand. In den Flammen gingen auch wichtige Schriftstücke des Ordens verloren. Gerade der Mangel an echten Dokumenten machte die Organisation noch undurchschaubarer und geheimnisvoller.

Die Inquisition schnüffelt unangemeldet in ihren Häusern. Hauptsächlich sind es Dominikaner und Franziskaner. Einer berichtet als Zeuge von einem merkwürdigen Vorfall, der in die Prozeßakten eingeht: Man überrascht einen Templer beim Lesen. Als er merkt, dass er beobachtet wird, verschließt er das Buch hastig in einem dreifach gesicherten Versteck. Auf die Frage, warum er das tue, erklärt er: Wenn dieses Buch in die falschen Hände käme, würde das seinem Orden ungeheuer schaden. Was war so gefährlich an den Büchern der Templer?

Wir wissen es nicht, weil wir die Inhalte nicht kennen. Das meiste Material aus den Schreibstuben des Ordens wurde vernichtet oder in alle Winde zerstreut, unauffindbar bis heute. Wen wundert es dann, dass in einem Land, wo die Natur selbst bizarre Märchenwelten geschaffen hat, mit der Zeit immer mehr Sagen und Legenden über die Templer entstanden? Meist sind es unheimliche Geschichten, die der Volksmund über Jahrhunderte weitergab und die den schlechten Ruf der Ordensritter bis in die Gegenwart prägen.

Da hinten in Castillejo de Robledo, da tötete vor langer Zeit ein Templer aus Habsucht seinen Komtur Fray Cristobal. Kurz nach dem Mord aber bereute er die Tat und wollte bei einem Priester beichten. So bestieg er sein Pferd und ritt zur Pfarrei nach Valdanzo. Doch eine schwarze Wolke verfolgte ihn, und auf halbem Weg traf ihn der Blitz, der seinen Körper völlig verkohlte. Er starb, ohne sein Verbrechen gebüßt zu haben. Handfester Beweis, dass Castillejo eine Templer-Bastion war, ist ein Steinfragment aus dem Mittelalter.

Die Inschrift in gotischen Großbuchstaben nennt einen Frey Diego. Den Titel Fray trugen damals nur Brüder des Templerordens. Das Kastell auf dem Hügel ist heute stark zerfallen. Indizien für einen typischen Templerbau findet man nicht mehr. Direkt darunter liegt die Kirche aus dem 12.Jahrhundert, um die sich die Häuser wie eine Herde gehorsamer Schafe drängeln. Vielleicht hatten die Templer beim Bau dieser Kirche ihre Hände im Spiel, denn der Triumphbogen zeigt die arabische Hufeisenform. Und auf den Resten der alten Wandmalerei ist ihre Burg mit einem Ritter zu sehen.

Eine 300 Jahre alte Urkunde beschreibt das Gotteshaus mit den Versen: La iglesia con calvarios parece fue de templarios que habitaron esta tierra. Das heißt: Die Kirche mit den Kreuzwegstationen gehörte wohl den Templern, die dieses Land bewohnten.

Der Prozeß gegen die Templer
Schon kurz nach den dem Beginn der großen Verhaftungswelle hatten in Paris die Verhöre begonnen. Europaweit waren hunderte von Templern eingekerkert. In Paris, Philipps Residenzstadt, machte der Prozeß die rasantesten Fortschritte. Bereits im Oktober besaß der König 138 Aussagen von den Templern aus Frankreich und Paris.

Das Ergebnis konnte den Großmeister nur erschüttern: 134 der Brüder, darunter hohe Würdenträger, bestätigten die Anschuldigungen gegen den Orden ganz oder teilweise. Zur großen Überraschung aller gab de Molay allerdings am 24.Oktober selbst zu, dass die Vorwürfe der Wahrheit entsprächen. Dieses Geständnis wiederholte er einen Tag später vor den versammelten Magistern der Universität und gab allen Brüdern die Weisung, die Wahrheit zu sagen, mithin: ebenfalls zu gestehen.

Der König triumphierte. Doch im Dezember 1307 widerrief Molay seine Aussagen vor vom Papst entsandten Bischöfen; nun gab er an, aus Angst vor der Folter gelogen zu haben. Kurz nach Molay widerriefen auch die anderen geständigen Würdenträger. Der Papst, oberster Herr der Gerichtsbarkeit gegen den Orden, setzte daraufhin die Untersuchung gegen die Templer vorläufig aus. Die Ergebnisse waren unterschiedlich und doch verräterisch.

Die normal verhörten Templer leugneten samt und sonders auf das Hartnäckigste; in jenen Ländern dagegen, wo sie gefoltert wurden, gestanden viele, jedoch ebenfalls längst nicht alle. Eine entschloßene Haltung demonstrierten vor allem die Brüder Aragons. Einer von ihnen erklärte:

Die Scheußlichkeiten, die dem Orden durch das angebliche Geständnis seiner Oberhäupter zugeschrieben werden, hat es niemals gegeben, und ich füge hinzu: wenn der Großmeister des Ordens vom Tempel die Geständnisse gemacht hat (...), so hat er aus seinem Munde heimtückisch gelogen.

In Frankreich verhörte man ausschließlich Templer, während man in England, Irland und Schottland auch andere Zeugen zuließ.

Die Aussagen dieser Ordensfremden hielten sich in ihrer Parteinahme für oder gegen den Orden die Waage. 1309 schien sich das Verfahren noch einmal zu wenden: Eine päpstliche Untersuchungskommission verhandelte zur Schuldfrage des Gesamtordens. Zahlreiche Templer hatten angekündigt, zu erscheinen und für den Orden auszusagen. Bis Ende März 1310 machten über 600 Templer entlastende Aussagen.

Doch der König besaß in Paris über einen ihm ergebenen Bischof die Vollmacht, die Prozeße seines Bistums gegen einzelne Templer selbst abzuschließen. So kam es, dass ohne Einflußmöglichkeit der päpstlichen Kommission am 12.Mai 1310 die ersten Scheiterhaufen in Paris brannten. Mit diesem Schritt brach Philipp den Widerstandsgeist der Templer endgültig.

Dies beantwortete Philipp der Schöne mit der Mobilisierung der öffentlichen Meinung. Er ließ Gerüchte lancieren, nach denen der Papst, da er schließlich das Verfahren gegen Ketzer behinderte, selbst Ketzer sein mußte. Das war auch für den Papst nicht ungefährlich. Unter dem Druck der Öffentlichkeit und der Ständeversammlungen gab er schließlich nach und ließ weiterverhandeln. In ganz Frankreich, auch England, Italien und Spanien wurde unter Anwendung der Folter verhört.

In den künftigen Verhören gestanden die Brüder alles mögliche, widersprachen sich oder stotterten Unverständliches. Die Kommission schloß daraufhin bald die Akten. Auf dem Konzil von Vienne am 22.März 1312 löste der Papst, wie er sagte nicht ohne Bitterkeit und Trauer im Herzen, nicht als Urteil, sondern als Provision und apostolische Entscheidung den Templerorden auf. Bis zum 17.März 1314 dauerte es noch, bis die Würdenträger, unter ihnen Molay, von einer Kardinalskommission ihr Urteil hörten: Lebenslängliche Kerkerhaft.

Die Gerichteten widerriefen abermals alle Geständnisse, was die Kardinäle bewog, sich zu vertagen. Am nächsten Morgen verurteilten sie de Molay und seine Würdenträger wegen Rückfalls in die Ketzerei zum Feuertod.

Die Enteignung der Templer
Noch bevor der Prozeß gegen sie überhaupt abgeschloßen war, begann man in Europa zu streiten, wem die gewaltigen Besitzungen der Templer übertragen werden sollten. Besonders daran wird deutlich: Die Vernichtung des Ordens war beschloßene Sache, der Prozeß eine Farce und lästige Formalität. Nicht nur Philipp der Schöne, auch andere europäische Könige, wie etwa die Monarchen Englands und Aragons, interessierten sich stark für das Erbe des angeschlagenen Ordens.

Papst Clemens V., der letztlich die Entscheidungsgewalt über das templerische Vermögen besaß, neigte zu einer Übertragung des Besitzes an den Johanniterorden; die Johanniter selbst schwiegen zu allem, um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, sie freuten sich auf den unerwarteten Benefiz. Bereits vor der eigentlichen Entscheidung der Angelegenheit profitierten die Monarchen vom templerischen Vermögen; für die Dauer des Prozeßes strichen sie die Gewinne aus den Gütern ein. Als der Papst nach langen Verhandlungen einen Kompromiß mit den Königen schloß, wurden die Besitzungen - mit Ausnahme derer auf der iberischen Halbinsel - am 2.Mai 1312 den Johannitern übertragen.

In Kastilien, Portugal und Aragon übergab man die Güter neugegründeten Ritterorden. Philipp der Schöne präsentierte den Johannitern daraufhin ungeniert eine Rechnung von 200.000 Pfund. So viel hatte der Unterhalt der Templergüter angeblich gekostet. Den Donjon des Temple zu Paris behielt die französische Krone gar ganz für sich. Es dauerte noch Jahre, bis die Johanniter schließlich alle Güter in ihren Besitz nehmen konnten. Der von allen Parteien, besonders Philipp dem Schönen, erwartete überreiche Geldsegen war jedoch ausgeblieben.
Die Gerüchte, nach denen Jacques de Molay 1306, im Jahr vor seiner Verhaftung, mit zehn Maultieren nach Paris eingeritten sei, die 150.000 Goldgulden schleppten, erwiesen sich als offensichtlich falsch. Von dem Geld fand man weder im Pariser Temple noch irgend sonst auch nur die geringste Spur. Der Schatz der Templer, dieses angeblich gewaltige Vermögen, war entweder nicht existent oder anderweitig verschwunden.

Der Angriff gegen die Templer Zyperns
Bis 1308 waren die zypriotischen Templer die einzigen der Mönchsritter, die keiner Verfolgung durch die päpstlichen Behörden ausgesetzt waren. Gegen König Heinrich von Zypern war von seinem eigenen Bruder Amalrich ein Putsch vorbereitet worden, und die Templer waren auf Seiten der Putschisten beteiligt gewesen.

Als Dank genossen sie Amalrichs Schutz und blieben zunächst von der Inquisition verschont. 1308 allerdings verfügte der Papst, die zypriotischen Templer seien festzusetzen und zu enteignen. Daraufhin ließ Amalrich die Festung Limisso umstellen und zwang die 118 anwesenden Templer, sich zu ergeben. Was man fand, belegte einmal mehr die äußerste Wehrhaftigkeit der Tempelritter. Der Protokollant des Königs vermerkte: (Wir fanden) 930 Harnische, 970 Armbrüste, 640 Sturmhauben und eine große Menge von Beinschienen, Eisenhandschuhe, Schilde, Lanzen, Wurfspiesse und andere Waffenstücke.

Man wunderte sich außerdem über die ungeheure Menge an Kriegsvorräten. Der Marschall der Templer, so ist überliefert, hatte noch heimlich eine Galeere ausrüsten lassen, mit der er sich, seine Brüder und alles bewegliche Hab und Gut von der Insel zu schaffen gedachte.

Dazu kam es nicht mehr. Was Ziel der Reise gewesen wäre, ist bis heute unbekannt. Alle Funde wurden versiegelt, die Templer selbst in zwei ihrer zypriotischen Burgen interniert. Der Vorwurf lautete - wie überall - auf Ketzerei. Doch hatte man keine Anzeichen für derartige Ausschweifungen gefunden. Die Templer stritten alles ab; der Prozeß gegen sie jedoch wurde unbeirrt eröffnet.

Die Inquisition
Als kirchliches Instrument zur Ketzerverfolgung und Reinhaltung des Glaubens etablierte sich im Mittelalter die Inquisition. Schon 1215 forderte das Laterankonzil, verurteilte Ketzer zwecks Bestrafung an die weltliche Gewalt auszuliefern; mit dem Konzil von Toulouse wurde das Verfahren geregelt und der Strafkatalog beschloßen.

Die eigentliche Zeit der Inquisition begann mit Papst Gregor IX., der eigens zur Ketzerverfolgung eine Behörde einrichten ließ, zu deren Verwaltung er Mitglieder der Bettelorden (hauptsächlich Dominikaner und Franziskaner) berief. Das eigentliche Inquisitionsverfahren nahm folgenden Gang: Zunächst wurden die Haeretiker zur Selbstanzeige aufgefordert; zugleich rief man die Gläubigen auf, Ketzer zu denunzieren.

Sodann schritt man zur Verhaftung, zum Verhör und schließlich zum Prozeß. Den Beschuldigten wurden Verteidiger in aller Regel vorenthalten. Ab 1252 gestattete Papst Innozenz II., die Befragung mit Hilfe der Folter durchzuführen. Am Ende eines Inquisitionsprozeßes erging ein Urteil, dessen Strafmaß von der einfachen Kirchenstrafe bis zum Tod auf dem Scheiterhaufen reichen konnte.

Mit der zunehmenden Instrumentalisierung der Inquisition für die Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Interessen gerieten die Verfahren oft zu reinen Willkürakten. In einigen Ländern wurde die Inquisition bis in das 19.Jahrhundert angewendet: Aus Mexiko ist ein Prozeß des Jahres 1815 bekannt. Die kirchenrechtliche Grundlage der Inquisition wurde erst 1965 mit dem 2. vatikanischen Konzil endgültig abgeschafft.

Der Beginn der Inquisition gegen die Templer
Als der Großmeister Jakob de Molay im Juni 1307 ein Ordenskapitel im Temple zu Paris abhielt, standen unangenehme Gerüchte auf der Tagesordnung, die von einem Verräter verbreitet worden waren und den Templerorden der gravierendsten Verbrechen beschuldigte, die einen christlichen Orden treffen konnten: Sodomie, Götzenkult und Ketzerei.

Der Papst, das wußte man, stand den Verleumdungen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Er hatte die Templer wie seine Leibgarde behandelt und ihnen viele Privilegien zukommen lassen; dass aus dem stolzen und zuverlässigen Ritterorden plötzlich ein Haufen dekadenter Strolche und Satanisten geworden sein sollte, weigerte er sich zu glauben. Anders König Philipp. Er, der schönste Mann der Christenheit, hegte bereits seit längerem eine tiefe, von Neid, Finanznot und Angst vor weltlichem Autoritätsverlust genäherte Abneigung gegen den reichen Ritterorden. Seinem schon vorher gefaßten Plan, die Templer zu vernichten, kamen die schwerwiegenden Anschuldigungen äußerst gelegen, so gelegen gar, dass man sich später fragte, ob er die Gerüchte nicht selbst habe lancieren lassen.

Während der Papst noch versuchte, über eine ordentliche Untersuchung die Angelegenheit auf dem Amtswege zu klären, ordnete Philipp, dem dies zu lange dauerte, unter Umgehung der Kirchenjustiz die Inhaftierung der Templer an, um ihnen den Prozeß zu machen. Am 13.Oktober 1307 setzte in Frankreich, bald auch in vielen anderen europäischen Templerniederlassungen, eine groß angelegte Verhaftungswelle ein.

1309 hielt man allein 546 französische Templer in Paris fest. In England verhaftete man 135 Ordensleute, etliche Hundert weitere kerkerte man in Irland, Kastilien, Spanien, Deutschland, Portugal und auf Zypern ein. Allein in Italien gelang den meisten von ihnen die Flucht. Für die Templer kam Philipps Polizeiaktion, die von einigen Königreichen immerhin nur widerwillig befolgt wurde, völlig überraschend. Nur in Aragon, wo sie mächtige Burgen besaßen, leisteten Tempelritter zum Teil erheblichen Widerstand und verschanzten sich in ihren Festungen, die daraufhin belagert wurden.

Die Hatz auf die Templer sollte die nächsten Jahre mit unverminderter Härte weitergehen; Philipp jedoch hatte schon im Oktober 1308 einen ganzen Katalog von Anklagepunkten zusammenfassen lassen, mit denen er unverzüglich den Prozeß eröffnete. Im einzelnen warf man den Templern vor:

- Jesus Christus zu verleugnen, ihn einen falschen Propheten zu nennen, das Kreuz zu bespucken und darauf zu urinieren
- obszöne und homosexuelle Handlungen zu vollziehen (z.B. das Küssen auf die Genitalien)
- die Weiheformeln der Messe zu unterschlagen und die Sakramente zu verleugnen
- sich unrechtmäßig und maßlos zu bereichern
- sich nachts und in Geheimsitzungen zu versammeln.

Die Vorwürfe wogen schwer. Es folgten die Verhöre, die sich über Jahre hinziehen sollten und den Sündenkatalog noch erweiterten. Einer der unglaublichsten Vorgänge der Kirchengeschichte hatte begonnen: Der Prozeß gegen die Tempelritter.

Die Folter
Das schauerlichste und zugleich entscheidende Kapitel des Templerprozeßes ist sicher die Folter, mit der besonders in Frankreich von den Brüdern Geständnisse erpreßt wurden. Die Folter galt, dies vorweg, im Mittelalter als keine ungewöhnliche Justizhandlung.

Die unter ihr gemachten Aussagen waren vor Gericht voll verwertbar; eine Verfahrensweise, die beispielsweise das Römische Reich - immerhin bereits mehr als 1000 Jahre zuvor - rundheraus abgelehnt hatte. Folter im Mittelalter, das hieß: Abziehen der Haut, Beschweren der Geschlechtsteile, Verbrühen, Brennen, Aufhängen mit verrenkten Gliedern, Brechen von Knochen, Streckbank... - ein unendliches Arsenal der Grausamkeiten.

Es wundert also wenig, dass die Folterknechte oft von ihren martialischen Werkzeugen gar nicht Gebrauch machen mußten: Bisweilen genügte allein das Zeigen der Instrumente oder die Vorführung von Hinrichtungen, um selbst mutige Männer zu zermürben. Kam es jedoch zur Folter, waren die Qualen unvorstellbar. Der Ordenspriester Bernardus de Vado etwa erklärte vor der päpstlichen Kommission, man habe seine Glieder so lange in das Feuer gehalten, bis das Fleisch an den Füßen verbrannt war, so dass die Knöchel ihm nach wenigen Tagen herausfielen.

Ein Teil der verhörten Templer starb unter der Folter, viele wurden durch sie gefügig gemacht. Was die Höllenqualen, die sich über Monate hinziehen konnten, bei den Gepeinigten an Selbstaufgabe bewirkten, zeigte Amalrich von Villiers-leDuc, der aussagte: "(Er würde) aufgrund der zahlreichen Foltern (...) und aus Angst vor dem Tod unter Eid gestehen und aussagen (...), dass alle dem Orden zur Last gelegten Irrtümer wahr seien und würde sogar gestehen, den HERRN getötet zu haben, wenn man dies von ihm verlangte." Die unerschrockenen Templer von Aragon brachten es einmal mehr auf den Punkt, indem sie durch ihren Anführer erklären ließen. Da sie kein einziges der Verbrechen, die sie uns zur Last legen, beweisen konnten, griffen diese Verderbten zur Gewalt und zur Folter, denn nur durch sie haben sie einigen unserer Brüder Geständnisse abgepreßt.

Damit hatte der Aragonier nur zu recht. Ohne Folter gestanden die Brüder rein gar nichts, sondern beteuerten einhellig ihre Unschuld. Jene dagegen, die gefoltert worden waren, gestanden selbst die groteskesten Dinge, widerriefen jedoch, sobald sie wieder bei Sinnen waren, ihre Geständnisse. Der einzige, der angeblich nicht gefoltert wurde und trotzdem gestand, war ausgerechnet Jacques de Molay, der Großmeister selbst. Ihn, der zum Zeitpunkt seiner Festnahme über sechzig Jahre alt war, übermannte offenbar die Angst.

Die Gesamtheit der Ketzerei-Vorwürfe
Die Vorwürfe gegen den Templerorden waren keineswegs neu; die Ankläger Philipps, allen voran sein fanatischer Staatsanwalt, schöpften aus einem Fundus der Ketzerbeschuldigungen, der von der Inquisition bereits wohlerprobt war. Haäresievorwürfe wurden im Mittelalter zum Machtmittel für Intrigen aller Art: Wen man diskreditieren oder beseitigen wollte, den beschuldigte man der Ketzerei und überzog ihn mit dem Vorwurfskatalog; selbst vor Bischöfen und Päpsten machte man nicht halt. Der Grundstock von Vorwürfen, mit denen man seit 1253 Teufelsanbetung charakterisierte, lautete auf

- Anbetung von Götzen (zunächst Kröten oder schwarze Katzen als Verkörperung Luzifers)
- Homosexualität
- sexuelle Ausschweifungen
- Geheimbündelei
- nächtliche Versammlungen.

Diese Vorwürfe bildeten in ihrer Gesamtheit ein stimmiges Konzept, eine Universalstrategie der Denunziation, die auch in den volkstümlichen Ängsten und Glaubensvorstellungen der Bevölkerung gut fundiert war: Homosexualität verwies auf das biblische Sodom, Götzendienst auf die verhaßten Moslems, die man im Abendland für Götzenanbeter hielt. Diese Strategie kam nun gegen die unerwünschten Templer zur Anwendung. Der Katalog wurde zwar noch um groteske Einzelheiten erweitert, sein Wesensgehalt jedoch entsprach dem 50 Jahre alten Vorbild.

Der Baphomet-Kult
Einer der schwersten Vorwürfe der Inquisition gegen den Templerorden betraf den Götzendienst, dem die Brüder angeblichen huldigten. Ihr dämonisches Idol, so lautete der Vorwurf, werde Baphomet oder Baffo-met genannt. Auch der Name Mauffe fiel, was im Mittelalter den Teufel selbst bezeichnete.

Man hört sagen, die (Taillenschnüre der Templer) seien um den Hals eines Götzenbildes gelegt worden, das die Form eines Männerkopfes mit einem großen Bart habe, und sie würden dieses Haupt auf ihren Provinzkapiteln küssen und anbeten.

So lautete die Beschreibung des Baphomet im Verhaftungsbefehl. Was die Templer selbst dann aber unter schwerer Folter an Schilderungen von ihrem Satansgötzen phantasierten, erweiterte die Interpretationsmöglichkeiten erheblich: als Totenschädel schilderten sie ihn, als Kopf mit zwei oder drei Gesichtern, mit zwei oder vier Füßen, als Holzskulptur oder metallenes Haupt. Die genaueste Beschreibung der zugrundeliegenden Sage lieferte 1311 ein Notar aus Italien, der im Dienst der Templer gestanden hatte und angab, Baphomet sei ein satanisches Haupt, das von einer toten Frau geboren worden sei, die in ihrem Grabe von ihrem Mann vergewaltigt worden war. Das Haupt mache seinem Besitzer die Welt dienstbar und trage den Tod in den Augen.
Dass diese Sage - starker Tobak in der Tat - auf die Templer fiel, kann einen einfachen Grund haben: Im Orient kursierten Gerüchte, einige Templer seien zum Islam übergetreten und würden ein magisches Haupt anbeten. Dieses Haupt heiße Mahomet (Mohammed); durch Überlieferungsfehler, so meinen einige Forscher, sei daraus Baphomet entstanden. Ein weiterer Deutungsversuch behauptet, der Begriff Baphomet sei aus den altgriechischen Wörtern bahf (Taufe) und meteos (Weihe) zusammengesetzt; bei dem angebeteten Haupt handele es sich um das Haupt Johannes des Täufers.

Die Phantasie der Baphomet-Deutungen hat aber noch weit mehr Blüten getrieben. Je nach Glauben an Schuld oder Unschuld der Templer sind verfängliche oder harmlose Versionen des Götzennamens hergeleitet worden. Für die Dämonengesichter indes, die an vielen Templerkirchen gefunden und als Beweis für den Baphomet-Kult gedeutet wurden, liefern jüngere Forschungen überzeugende Erklärungen: Sie sind keineswegs eine templerische Besonderheit, sondern finden sich - als Darstellungen der Apokalypse - an vielen gotischen Sakralbauten.

Die Motive König Philipps
Man hat sich lange gefragt, was König Philipp von Frankreich letztlich bewogen haben mag, den Templerorden zu zerschlagen. Die These, dass der Monarch (dem - vielleicht zu Unrecht - der wenig schmeichelhafte Ruf König Falschmünzer anhing) aus bloßer Geldgier gehandelt habe, greift sicher etwas zu kurz; dennoch spielt Geld in der Affäre um die Templer eine wichtige Rolle. Philipp der Schöne sah sich während seiner Regierungszeit immensen wirtschaftlichen Problemen gegenüber. Um dem Staatsbankrott zu entgehen, führte er immer neue Steuern ein, die nicht nur Juden, Lombarden und Wucherern, sondern auch dem Klerus empfindliche Opfer abverlangten.

Mit dem Templerorden, dessen Reichtum sprichwörtlich war, sah er die Lösung seiner Probleme zum Greifen nahe vor sich. Von dem Ergebnis mag er gleichwohl enttäuscht gewesen sein. Aber der Angriff auf die Templer galt nicht dem Geld allein. Der Templerorden stand - stellvertretend für alle Ritterorden - als Symbol für eine international agierende Militär- und Finanzmacht, die durch staatliche Gewalten nicht zu kontrollieren war, da sie dem Papst unterstand.

Die Entwicklung der Monarchien des Mittelalters zu Nationalstaaten brachte es aber notwendig mit sich, den Einfluß außerstaatlicher Machtgebilde zu begrenzen und, wenn möglich, zu brechen. Der Zentralisierung staatlicher Gewalt, wie vor allem Philipp sie betrieb, waren die geistlichen Ritterorden im Weg. Die zwei Grundprobleme des Königs waren, wie der Historiker Barber formulierte, seine Macht und seine Mittel - die Templer besaßen beides.

Was lag näher, als ihnen beides zu nehmen? Mit der beispiellosen Polizeiaktion gegen die Mönchsritter, mit dem Prozeß gegen sie, der auf klug vorbereiteter Verleumdung beruhte, setzte Philipp brachial seine Interessen durch. Mit dem Angriff gegen die Templer wurde so gewaltsam einer neuen gesellschaftlichen Organisationsform, dem modernen Nationalstaat, der Weg gebahnt.

Die Schändung des Kreuzes
Schenkt man den Vertretern der Anklage und den durch Folter erpreßten Geständnissen zu diesem Thema Glauben, so haben die Templer bei der Leugnung Christi sowie der Schändung und Entehrung des christlichen Kreuzes ganz besonderen Eifer und Einfallsreichtum entwickelt. Der Ordensmann Stephan von Troyes schilderte seine Aufnahme in den Orden so:

"(Nachdem man mir das Kreuz gezeigt hatte, sagte man): Du mußt den verleugnen, den dieses Abbild darstellt. (...) Einer der anwesenden Ritter zog sein Schwert und schrie: Wenn Du Christus nicht leugnest, durchbohre ich dich mit diesem Schwert und du stirbst auf der Stelle!"

Außerdem gaben unzählige Brüder in Verhören zu, das Kreuz auf Geheiß ihrer Oberen bespuckt zu haben; aus dem spanischen Medina del Campo ist gar ein Vernehmungsprotokoll bekannt, in dem der geständige Templer behauptete, man habe das Kruzifix an den Steigbügel der Pferde befestigt, um es beim Aufsteigen in staubigen Stiefeln quasi automatisch mit Füßen zu treten. Es kann kaum Zweifel bestehen, dass derart hanebüchene Geständnisse nur unter der Folter möglich waren.

Was allerdings das Bespucken des Kreuzes betrifft, so sind die Autoren bis heute vorsichtig in ihren Urteilen. Der neuzeitliche Historiker A. Demurger hält es für möglich, dass es solche Kreuzschändungen als derben Scherz vielleicht tatsächlich gegeben habe. In einer Art rüder Lehrlingsprobe habe man den irritierten Novizen gezwungen, auf das Kreuz zu spucken, um ihm hinterher lachend zu raten: Geh beichten, Dummkopf.

Der Sodomie-Vorwurf
Sie verpflichten sich durch ihr Gelübde und ohne Furcht (...) sich einander hinzugeben, ohne Widerrede, sobald es von ihnen verlangt wird.

So schrieb es König Philipp in seinem 1307 verfaßten Anklagebrief. Damit war er auf einen der Hauptanklagepunkte gegen die Templer zu sprechen gekommen: Den Vorwurf der Sodomie (wie man Homosexualität damals nannte). Es war wiederum die Folter, die in den folgenden Jahren den Mönchsrittern die erstaunlichsten Geständnisse zu diesem Thema entlockte. Unter den schweren Qualen bezichtigten sich die Brüder aller nur denkbaren Handlungen: Von Küssen auf Geschlechtsteile und Anus, Nabel und Gesäß war die Rede.

Der Präzeptor der Auvergne, so besagte das Geständnis des Templers Gottfried von Charney, habe explizit erklärt, es sei besser, sich mit den Ordens-brüdern zu vereinigen als mit den Frauen zu vergnügen. Nun war Homosexualität in mittelalterlichen Klostergemeinschaften nichts Unübliches; ihre Existenz galt als offenes Geheimnis.

Der König von Aragon, Alfons I., sprach offen aus:

"Der Mann, der sich dem Krieg widmet, braucht die Gesellschaft der Männer und nicht der Frauen.

Aber natürlich waren nicht alle Templer homosexuell - und nachgerade absurd war der Vorwurf, eines der Ordenssiegel, das zwei Ritter auf nur einem Pferde sitzend zeigte, symbolisiere geradezu programmatisch die Pflicht zu gleichgeschlechtlichen Handlungen. Das Siegel nämlich versinnbildlichte, wie neuere Forscher einleuchtend dargestellt haben, vielmehr die Ordensprämissen der Armut und Einheit. Dieses Denken manifestierte sich übrigens analog zur Symbolik des Siegels auch in der Ordensregel, die die Brüder anhielt, nach Möglichkeit zu zweit aus einem Teller zu Essen" (Artikel 25).

Der Okkultismus-Vorwurf
Der Angriff der europäischen Monarchen gegen die Templer war sorgfältig vorbereitet. Da der Orden dem Papst unterstand, entzog er sich der weltlichen Gerichtsbarkeit, weshalb man religiöse Argumente gegen ihn ins Feld führen mußte. Philipp der Schöne entwarf deshalb einen Anklagekatalog, der sämtliche unausdenkbaren Todsünden eines christlichen Ritterordens zusammenfaßte.

Ein Verräter, der ehemalige Templer Esquieu de Floyran, fungierte als erster Kronzeuge gegen den Orden - seine Aussage legitimierte die großangelegte Verhaftungsaktion. Im einzelnen warf man den Mönchsrittern vor:

- Jesus Christus zu verleugnen, ihn einen falschen Propheten zu nennen, das Kreuz zu bespucken und darauf zu urinieren
- einen satanischen Götzen namens Baphomet anzubeten
- obszöne und homosexuelle Handlungen zu vollziehen
- die Weiheformeln der Messe zu unterschlagen und die Sakramente zu verleugnen
- sich unrechtmäßig und maßlos zu bereichern
- sich nachts und in Geheimsitzungen zu versammeln.

Mittels der Folter erpreßte man Geständnisse von den gefangenen Templern und hielt jenen, die noch hartnäckig leugneten, diese Geständnisse als neuerliche Beweise für die Schuld des Ordens vor. Ob die Templer die ihnen zur Last gelegten Verbrechen - und zwar nicht als einzelne Verfehlung, sondern sozusagen als Ordenszweck - tatsächlich begingen, ist bis heute nicht geklärt.

Hinweise auf okkultistische Praktiken des Ordens und eine gewisse Affinität zum muslimischen Glauben bzw. zur orientalischen Architektur sind dagegen nicht von der Hand zu weisen.

Neben den besonders mysteriösen Vorgängen um den Götzen Baphomet sind auch heidnische und okkultistische Symbole an Templerkirchen bzw. auf Templer-Insignien nachgewiesen worden.

So ziert die Templer-Einsiedelei von San Bartolome (Spanien) ein gut sichtbares Pentagramm (auch: Drudenfuss), und auch gnostische Symbole waren offenbar bei den Brüdern in Gebrauch. Ebenso weiß man von Verbindungen der Templer zur jüdischen Geheimlehre Kabbala, die zur Gründungszeit des Ordens in Europa recht verbreitet war. Was den Templern selbst nicht zur Last gelegt werden kann, aber doch bemerkenswert ist, ist die Zahl der okkultistischen und zum Teil offen satanistischen Sekten und Geheimorden der jüngeren Zeit, die ihre Ursprünge in den Bräuchen und Überzeugungen der Templer sehen.

Der Einfluß des Gnostizismus
Die Inquisition beschuldigte den Orden der Tempelritter unter anderem, den Lehren des Gnostizismus (auch: Gnosis) anzuhängen und dessen Symbole und Inhalte im Rahmen von Geheimzeremonien zu benutzen. Der Gnostizismus faßt als Oberbegriff verschiedene philosophisch-theologische Strömungen zusammen, die im 2. Jahrhundert n.Chr. vor allem von Basilides und Ptolemeios vertreten wurden und die Gnosis, d.h. das Wissen und die Erkenntnis, zum Leitgrundsatz ihres Glaubens machten. Der gnostische Glauben stellt sich dar als recht krude Mischung aus Elementen des Judentums, des Christentums, orientalischer Philosophie und mythologischen Sagen der Antike.

Gnostiker sehen die Welt unterteilt in drei Gruppen von Menschen: Die Pneumatiker, in denen das Licht vorherrscht (weil sie der Gnosis verpflichtet sind), die Seelenmenschen (Psychiker), in denen Gut und Böse miteinander ringen, und schließlich die Leibmenschen (Hyliker), die gefangen sind im Bösen. Dabei gilt der jenseitige Seinsbereich des Guten (Lichtwelt) nur durch die Erlösung aus der Materie als erreichbar; diese Erlösung geschieht durch Lichtgestalten, die den erkenntnisbefähigten Menschen stufenweise zu seinem Ziel geleiten. Die Gnosis wurde von Basilides vor allem mit altägyptischen Lehren verquickt, was in der Zusammenfassung der 365 Schöpfungszyklen Ausdruck fand, die er als Abraxas bezeichnete.

Die gnostizistische Bewegung hatte von Beginn an sektenhaften Charakter und war in den Augen der Kirche vor allem wegen ihrer orientalischen Einflüsse und ihrer Neudeutung der Dreieinigkeit (Materie, Weltschöpfer, Erlöser) ein Häretikerbund - also eine Gemeinschaft, die vom Kirchendogma abwich und letztlich Ketzerei betrieb. (Schon das Neue Testament warnte vor den Lehren einer falschen Gnosis.)

Die Verfolgung durch die Kirche förderte schon frühzeitig ein Geheimbundwesen auf gnostischer Grundlage. Im Mittelalter galten nach Meinung einiger Forscher die Templer als wichtigste Hüter der gnostischen Überlieferung. Es sind offizielle Ordenssiegel der Templer bekannt, die als Prägebilder gnostische Gemmen (Monstrensymbole der Antike) aufweisen. Allerdings waren solche antiken Darstellungen beim Klerus des Mittelalters generell recht beliebt, weil man sie als Heiligendarstellungen mißdeutete. Auch das Gnostikerkreuz, ein Hakenkreuz, findet sich gelegentlich. Dieses Kreuz galt aber zugleich als eines der Zeichen für den satanischen Götzen Baphomet, dem die Templer angeblich huldigten.

Das Konzil von Vienne
Die juristische Entscheidung über das Schicksal des Templerordens brachte das Konzil von Vienne. Als der Papst die Versammlung am 13. Oktober 1311 eröffnete, standen drei Beratungspunkte auf der Tagesordnung: Das Urteil über die Templer, der neue Kreuzzug und die Kirchenreform. Hinsichtlich der Templer stützte sich das Konzil auf die Akten und Verhörprotokolle der Untersuchungs-kommision, die jedoch von einer Ad-hoc-Kommision nochmals ausgewertet und gekürzt worden waren. Dem Konzil lag nun eine höchst einseitige Zusammenfassung vor, in der säuberlich alle erfolterten Geständnisse und sogar die Gerüchte und Legenden über die Templer aufgelistet wurden; die zahlreichen Berichte über die Unschuldsbeteuerungen der Templer dagegen wurden geflissentlich unterschlagen. Die meisten Mitglieder des Konzils reagierten mißtrauisch.

Sie waren keineswegs von der Schuld der Templer überzeugt und verlangten, neben den Anklageschriften auch die Verteidigung zu Hören. Der Papst hatte kein Interesse an weiteren Affären um die Templer. Ihn drängte es, den neuen Kreuzzug vorzubereiten. Außerdem sah er sich massiv durch König Philipp unter Druck gesetzt, der einmal mehr die Ständeversammlung auf seine Seite gezogen und außerdem dem Papst mit einem Truppeneinmarsch in Vienne gedroht hatte.

Auf einem Geheimtreffen zwischen Vertretern König Philipps (darunter Nogaret ) und Gesandten des Papstes wurde ein Abkommen getroffen, dass die Angelegenheit unter Ausschluß des Konzils schon vorab regelte. Das Ergebnis der Absprachen: Papst Clemens V. hob den Orden durch die Bulle Vox in excelso am 22. März 1312 aus eigener Machtbefugnis auf.

Als er am 3. April - im Beisein Philipps - den Konzilsabgeordneten den Urteilsspruch verkündete, verfügte er vorsichtshalber, dass jede Form des Protestes auszuschließen sei: Bei der Strafe der Exkommunikation verbot er allen Mitgliedern des Konzils ein Wort zu sagen, außer mit Erlaubnis oder auf Aufforderung des Papstes. Dann erklärte Clemens:

Wir haben den Orden und seine Besitzungen auf ewig aufgehoben und verbieten einem jeden, in den Orden einzutreten oder das Ordensgewand zu tragen oder sich als Templer auszugeben.

Auf dem Scheiterhaufen
Zwischen 1310 und 1314 hatten bereits an verschiedenen Orten Frankreichs Scheiterhaufen gebrannt. In Paris, Senlis, Pont-de-l Arche und Carcassonnne waren Templer öffentlich den Flammen übergeben worden. Am 18.März 1314 wurde das Urteil gegen Jacques de Molay, den letzten Großmeister vollstreckt. Gemeinsam mit dem Meister der Normandie, der ebenfalls seine Geständnisse widerrufen hatte, wurde Molay zur Vesperstunde auf eine kleine Seine-Insel nahe den königlichen Gärten gebracht. Die Haltung des Großmeisters war nun, im Angesicht des Todes, keineswegs mehr angsterfüllt und erbärmlich, wie man ihm noch zu den Verhören vorgeworfen hatte.

Im Gegenteil: Man sah sie so entschloßen, den Feuertod zu erleiden, mit einer solchen Willenskraft, dass sie bei allen, die bei ihrer Hinrichtung anwesend waren, Bewunderung und Erstaunen wegen ihrer Standhaftigkeit im Sterben und im Leugnen (ihrer angeblichen Verbrechen) hervorriefen.

Molay starb würdig. Der Dichter Gottfried von Paris, der seiner Verbrennung beiwohnte, will jedoch auch noch die berühmten letzten Worte Molays gehört haben, die wie ein Fluch klingen und später zu allerlei abenteuerlichen Geschichten über die Rache der Templer führen sollten. Angeblich hatte der Großmeister, als er schon an den Pfahl gebunden war, ausgerufen:

"Ich werde sterben. Gott weiß, dass es zu Unrecht geschieht. Ihr Herren, wißt, dass alle jene, die gegen uns waren, für uns werden leiden müssen (...)."
Die Vernichtung des Templerordens
Der Orden der Tempelritter, 1119 in Jerusalem als Schutzmacht der Pilger des Heiligen Landes gegründet, stieg binnen zweier Jahrhunderte zum einflußreichsten Ritterorden der mittelalterlichen Welt auf. Durch geschickte Finanzpolitik, zahlreiche Privilegien und sprichwörtliche militärische Schlagkraft breitete er seinen Machtbereich auf ganz Europa und bis weit in den Orient hinein aus. Nach dem Scheitern der letzten großen Kreuzzüge geriet der Orden, dessen Macht inzwischen den Monarchen Europas unheimlich wurde, in die Kritik.

Der bankrotte französische König Philipp trachtete nach dem Ordensvermögen und nahm Gerüchte über den angeblichen Götzenkult und die Unzucht der Templer zum Vorwand, ein Komplott gegen den Orden zu schmieden, die Monarchen Europas auf seine Seite zu ziehen und 1308 schließlich europaweit die Templer verhaften zu lassen.
Mittels erfolterter Geständnisse wurde die Anklage begründet und 1312 schließlich der Papst, dem die Brüder offiziell unterstanden, zur Auflösung des Ordens gezwungen. Viele Templer starben im Kampf gegen die anrückenden Schergen, unter den Folterqualen oder auf den Scheiterhaufen der Inquisition, manche flohen in verfolgungsfreie Gebiete. Der Schatz der Templer jedoch blieb - zum Ärger der Könige - verschwunden.

Zurück zur Übersicht