Blüte und beginnender Verfall des Templerordens

Der Verfall des Ordens
Mit dem Verlust des Heiligen Landes und dem Scheitern der Staatsgründung auf Zypern war der Templerorden an zwei wichtigen Vorhaben gescheitert. Der 1294 gewählte Großmeister Jacques de Molay versuchte in den folgenden Jahren noch, einen neuen Kreuzzug zu organisieren und die Insel Ruad zu erobern - auch diese Ziele wurden nicht erreicht.

Aber schlimmer noch - im Abendland war inzwischen unüberhörbare Kritik am Geschäftsgebaren, am Stolz und an der Gewinnsucht der Templer laut geworden. Als ein Verräter den Brüdern schließlich gar Unzucht, Gotteslästerung und Götzenkult anlastete, kam es zur Katastrophe: 1307 ließ Philipp der Schöne von Frankreich, der dem Orden übel gesonnen war und nach dessen Reichtum trachtete, die französischen Templer einschließlich des Großmeisters festnehmen und einkerkern. Durch geschickte Diplomatie verstand es Philipp, seine Verhaftungsaktion auf sämtliche europäischen Nachbarstaaten auszuweiten. Unter der in vielen Staaten angewandten Folter gestand ein Teil der Brüder die angeblichen Verfehlungen.

Der Widerruf dieser Geständnisse half dem Orden nicht mehr. Erste Hinrichtungen fanden schon 1310 statt, und nach dem endgültigen Abschluß des einseitigen Verfahrens wurde der Templerorden auf dem Konzil von Vienne aufgelöst. Die Ordensbrüder erwartete - je nach Urteil - der Kerker, der Scheiterhaufen, oder auch die Versöhnung mit der Kirche.

Die Erbschaft der Templer, ein gewaltiges Vermögen an Immobilien, wurde größtenteils den Johannitern zugeschlagen. Als 1314 auch der letzte Großmeister Molay den Flammen des Scheiterhaufens übergeben wurde, war der Orden der Tempelritter ausgelöscht.



Das weitere Schicksal der Tempelritter
Spätestens mit dem Tod Molays war der Templerorden vernichtet. Aber nicht alle seiner Brüdern waren tot oder schmachteten in den Kerkern. Ein Teil der Geständigen wurde mit der Kirche versöhnt. In Ravenna hatte man sogar Tempelritter freigesprochen und ließ ihnen die Wahl, sich einem neuen Orden anzuschließen. Diejenigen, die sich durch Flucht der Verhaftung und dem Prozeß entziehen konnten, haben jedoch die Phantasie der Nachwelt am meisten beschäftigt.

Diese Untergetauchten rasierten sich eiligst die Bärte ab, um nicht mehr als Templer erkannt zu werden. Wohin sie sich dann aber flüchteten, ist bis heute ein Geheimnis geblieben. Aus Valencia sind Berichte bekannt, die besagen, dass einige schwer mit Gold und Edelsteinen beladene Tempelritter auf Schiffen zu fliehen versuchten. Aus anderen Gerüchten geht hervor, die letzten Templer seien nach England geflüchtet und hätten dort die Freimaurerlogen gegründet. Molay selbst soll nach einer Version noch kurz vor seinem Tode sein Geheimwissen und seine Vollmachten auf einen Ritter namens John Mark Lomenius übertragen haben, der den Orden als freimaurerische Geheimgesellschaft weiterführte. Dass die Templer ihren Ordensschatz in Sicherheit brachten und von einem geheimen Ort aus ein neues Imperium gründeten, behaupten unzählige Mythen und Legenden.

Von verschwörerischen Geheimbünden ist die Rede, vom unsichtbaren Griff der Templer nach der Weltherrschaft. Die Rache der Templer ist einer dieser Mythen. Allerlei merkwürdige Vorfälle, darunter der Tod Philipps des Schönen kurz nach der Hinrichtung Molays, aber auch so gravierende Ereignisse wie der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England sollen auf das verborgene Wirken der Tempelritter zurückzuführen sein. Der bekannteste Mythos um die Templer jedoch steht im Zusammenhang mit den mittelalterlichen Gralsepen.

Die Templer, mutmaßen manche, waren "oder sind" identisch mit den sagenumwobenen Gralsrittern. Die geheimnisvolle Geschichte der Tempelritter hat zahlreiche neo-templerische Bewegungen inspiriert, die sich auf Brauchtum und Ideale der Ritter berufen. Einige von ihnen reklamieren gar für sich, die Geschichte der Templer bis in die Gegenwart lückenlos fortgeschrieben zu haben. Auf neue Legenden darf man also gespannt sein.




Die Heilige Miliz des Salomonischen Tempels
Dass die Templer den Salomonischen Tempel bezogen, war einer Verkettung mißlicher Umstände zuzuschreiben. Zwar schätzten sie sich glücklich, über ein geräumiges Hauptquartier zu verfügen (sie brachten in der El-Aqsah Moschee und den angrenzenden Gebäuden bis zu 300 Ritter unter), doch hatte ihr eigentlicher Herzenswunsch gelautet, das Hauptquartier des Ordens in der Grabeskirche einzurichten, die als wichtigste christliche Wallfahrtsstätte Ziel der christlichen Pilger war. (Die Grabeskirche befindet sich außerhalb des Tempelbezirks und überwölbt die Orte der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu Christi.) Aus Gründen der religiösen Ehrerbietung wagten jedoch die sonst forschen Ritter nicht, dem Erlöser räumlich zu nahe zu kommen.

So fanden sie sich mit der El-Aqsah Moschee ab. Ihre Verbundenheit mit der Grabeskirche und den Pilgern stellten die Templer dennoch zur Schau. Sie versahen zahlreiche ihrer Ordenssiegel mit schematisierten Abbildungen der Kirche des Heiligen Grabes, die (ebenso wie der Felsendom und die El-Aqsah-Moschee) von einer Kuppel gekrönt wurde. Die Ähnlichkeit der drei sakralen Gebäude hat in der späteren Literatur für zahlreiche Verwechslungen gesorgt; regelmäßig wird den Siegelaufdrucken der Templer ein falsches Gebäude zugeordnet.


Der Staat in den Staaten
Den Mächtigen Europas konnte das prosperierend Templertum auf Dauer nicht gleichgültig sein. Mit wachsender Besorgnis registrierten die Königshäuser in der Mitte des 13.Jahrhundert, wie die Ausbreitung des Templerbesitzes mit einer immer stärker wachsenden politischen Rolle des Ordens einher ging. Dabei hatte man die Geister, die man nun loszuwerden wünschte, selbst gerufen: "ihnen ihre Güter selbst geschenkt, ihre militärische Hilfe erbeten, ihrer Geldpolitik den nötigen Freiraum geschaffen".

Als königliche Beamte, Diplomaten und natürlich vor allem Verwalter von Staatsfinanzen waren die Templer in viele Königshäuser berufen worden. Auch am päpstlichen Hof dienten sie als hohe Würdenträger.

De facto besetzten Templer also viele Schlüsselpositionen abendländischer Macht. Diese Stellung der Templer als Kirche in der Kirche und Staat in den Staaten wurde vor allem den Königen zunehmend unangenehmer; einer Politik des Ausbaus monarchischer Macht konnte ein unabhängiger, finanzstarker und hochgerüsteter Ritterorden nicht willkommen sein.

Ab 1250 bemühte man sich daher in verschiedenen Ländern, die Privilegien zu widerrufen und dem Orden Steuern aufzuerlegen. Doch die Templer wußten den Papst hinter sich, der in Streitfällen oft als Schiedsmann angerufen wurde, und verteidigten ihre Privilegien meist erfolgreich. Trotzdem, bemerken einige Forscher, sei der Templerorden nie wirklich zu einer eigenständigen, zentralisierten Machtpolitik im Abendland fähig gewesen.

Der Grund - das unzusammenhängende Territorium und die weite Verstreuung seiner Truppen. Dagegen ließe sich jedoch einwenden, dass die Templer nach verschiedenen Schätzungen immerhin 15.000, vielleicht sogar 30.000 Mann unter Waffen hielten.

Zudem befanden ganze Königreiche sich zeitweise in unmittelbarer finanzieller Abhängigkeit vom Orden - ein Umstand, der die Templer selbstbewußt genug machte für unverhohlene Drohungen selbst Königen gegenüber. Als beispielsweise der Monarch von England 1244 in einem Disput den Templern ihren Hochmut und ihre Privilegien vorhielt und mit Enteignungen drohte, entgegnete der Ordensmeister von England kalt: "Solange ihr Gerechtigkeit walten laßt, werdet ihr herrschen, im anderen Fall werdet ihr nicht allzu lange auf dem Throne sitzen."



Der verlorene Templer-Staat (1291 /1292)
Trotz seiner erstaunlichen Machtentfaltung gelang es dem Templerorden nie, einen eigenen Staat zu gründen. Sicher wäre die Geschichte der Mönchsritter anders verlaufen, hätten sie diesen Schritt bewältigt, denn der Besitz eines souveränen Hoheitsgebietes hätte die Finanzstärke und militärische Schlagkraft des Ordens bündeln und überdies seinen Brüdern in Krisenzeiten Zuflucht bieten können. Dass von Mönchsrittern geführte Staaten durchaus realisierbare Projekte darstellten, bewiesen im 14. Jahrhundert die Deutschritter und die Hospitaliter, die in Preußen bzw. auf Rhodos eigene Reiche gründeten. Den Templern bot sich die Gelegenheit zur staatlichen Souveränität schon 1291.

Richard Löwenherz eroberte Zypern und verkaufte die Insel, da er nichts mit ihr anzufangen wußte, für 100.000 Besanten an den Templerorden. Zypern besaß als flächengrößte Insel im östlichen Mittelmeer immense strategische Bedeutung; als Vorposten zum Orient eröffnete sie wichtige militärischen Optionen für den Kampf im Heiligen Land.

Die Templer jedoch verhielten sich unklug - lediglich hundert Ritter wurden auf Zypern stationiert - zu wenige für eine gesicherte Regentschaft. Bald verlor die kleine und schlecht vorbereitete Ritterschar die Kontrolle über die Insel.

Die griechische Bevölkerung versuchte ab 1192 Aufstände gegen den Orden. Da die Templer alle Erhebungen brutal niederschlugen verschärfte sich der Konflikt zusätzlich. Nach einigen Monaten verlustreichen Scharmützels mit den Einheimischen wurde offensichtlich, dass es für den Orden nur zwei Möglichkeiten gab: entweder Zypern mit großen militärischen Anstrengungen zu halten oder es aufzugeben und die Kräfte für den anvisierten Kreuzzug zu verwenden.

Unter dem Druck der Aufständischen entschied man sich - gegen Erstattung des Kaufpreises wurde die Insel an Richard zurückgegeben, und der trat sie an Guido von Luisignan ab. Die Templer begnügten sich fortan mit ihren Niederlassungen auf der Insel. Zwar richteten sie ihr Haupthaus in Limisso auf Zypern ein, doch war die Chance auf einen eigenen Staat vertan.


Der Tempelbezirk zu Jerusalem
Der Berg Moria (Ölbaumberg), von den Moslimen Haram esh-Sharif (Erhöhtes Heiligtum) genannt, ist wohl einer der religionsgeschichtlich bedeutendsten Plätze der Welt. Seine Historie geht zurück auf biblische Urzeit und ist seitdem geprägt vom Widerstreit der Religionen und Kulturen. Innerhalb des Sakralbezirks befinden sich berühmte Bauwerke wie der Felsendom, der Kettendom, die El-Aqsah-Moschee und das Goldene Tor. Das Gelände ist trapezförmig von mehrere hundert Meter langen Mauern umschloßen und liegt in Jerusalems östlicher Altstadt.

Zunächst zum biblischen Ursprungsmythos; Abrahams soll, da es ihm zur Prüfung auferlegt worden war, auf dem Berg versucht haben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Die Engel des Herrn hielten ihn, sobald sie sahen, wie weit seine Festigkeit im Glauben ging, davon ab. 964 v.Chr. ließ der jüdische König Salomon auf dem heiligen Berg in siebenjähriger Bauzeit einen Tempel errichten, an den sich Profanbauten und ein Palast anschloßen. Diese Anlage wurde von den Babyloniern zerstört. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte fielen nacheinander Hellenen und Römer in Jerusalem ein, plünderten die vorgefundenen Tempelgebäude aus und bestückten den Bezirk mit Standbildern ihrer Götter.
638 n.Chr. bahnte sich mit der Eroberung Jerusalems durch Kalif Omar eine dauerhaftere Lösung an. Dieser erklärte den Bezirk zur heiligen Stätte des Islam, ließ ihn gründlich umbauen und errichtete die El-Aqsah-Moschee.

Die Kreuzfahrer, die ab 1098 im Heilgen Land ihre Eroberungsfeldzüge begannen, gründeten schließlich im Jahre 1100 ein christliches Königreich in Jerusalem.

1291, als die letzten christlichen Festungen des Heiligen Landes unter dem Ansturm der Mamelukken fielen, war jedoch auch dieses Intermezzo christlicher Herrschaft über den Tempelberg wieder beendet. Heute ist der Bezirk konfliktreicher Treffpunkt von Christen, Juden und Moslems, die ihn gemeinsam als ihr Religionsheiligtum betrachten.


Der Templerbezirk zu Paris
Der Bezirk der Tempelherren zu Paris im Jahre 1307. Im Laufe der bewegten Ordensgeschichte errang diese gewaltige Trutzburg mönchsritterlicher Macht Weltbedeutung und wurde für die Templer zur Schaltzentrale ihrer abendländischen Verwaltungs- und Finanzaktivitäten. Schon 1146 residierten die Templer in einem Ordenshaus am Seine-Ufer.

Ab 1203 erwarben sie systematisch Zinsgüter, die sie zu einem großen, in sich abgeschloßenen Bezirk, dem Enclos zusammenfügten. Von der gotischen Bebauung des riesigen Areals (das auch im heutigen Paris noch Quartier du Temple genannt wird) ist nichts erhalten.

Zur Templerzeit befand sich auf dem Gelände, das mit Zugbrücke und Toren gesichert war, eine große Anzahl von Ordensgebäuden, darunter Kirchen und Kapellen, ein Hospital, Konventsgebäude, ein großmeisterlicher Palast sowie Pferdeställe, Rüsthäuser und ein eigener Friedhof. Eine der Kirchen war nach dem Vorbild des Heiligen Grabes zu Jerusalem gebaut und verfügte über eine Rotonde und eine Basilika.

Das alles überragende Gebäude aber war der Donjon, ein wuchtiger Schloßturm mit vier kleinen Turmspitzen, der im 13.Jahrhundert erbaut wurde und sich etwa am Platz vor dem Rathaus des heutigen 3.Arrondissements erhob.

Der Pariser Temple war wegen seiner Wehrhaftigkeit und großen Bedeutung für den internationalen Finanzverkehr auch Unterbringungsort des französischen Staatsschatzes und genoß zeitweilig den Status einer Art Weltbank. Von den zirka 2000 französischen Tempelrittern lebten allein mehrere Hundert im Enclos zu Paris.


Die Templer Aragons
Eine Sonderrolle unter den Templern Europas spielten die Brüder Aragons, die sich als einzige Gruppe der Ordensgemeinschaft ernsthaft dem Komplott der Könige widersetzten. Sie besaßen zahllose mächtige Burgen mit schwer bewaffneter und durch die Reconquista kampferprobter Besatzung. Die Könige Aragons hatten die Templer selbst als seine Eliteeinheit im Kampf gegen die spanischen Moslems betrachtet und ihnen großzügige Privilegien gewährt. Nun mußte der Regent fürchten, seine ehemaligen Verbündeten so stark gemacht zu haben, dass sie sich seinem Willen widersetzen konnten. Doch er war verlockt durch die Aussicht auf finanziellen Gewinn; schon früh machte er deutlich, dass er einen Teil des Vermögens der reichen Ritter einzubehalten gedächte. Den Rest plante er einem neuen Ritterorden zu übertragen, der unter seiner Oberaufsicht stand, und nicht - wie die Templer - als Staat im Staate wirken konnte.

Aber zunächst wollte die templerische Streitmacht besiegt sein. Vom Verhaftungsbeschluß, der schon 1308 gegen Aragons Templer vorlag, bis zu ihrer endgültigen Niederwerfung vergingen 15 Monate, und nur unter schweren Verlusten waren die Soldaten in der Lage, den Befehl ihres Königs in die Tat umzusetzen. Aber auch nach der Festnahme erwiesen sich die aragonesischen Brüder als ausgesprochen mutig und wortgewandt.

Hartnäckig bestritten sie die dem Orden zur Last gelegten Verbrechen und ließen sich auch durch brutale Folter nicht einschüchtern. Ein bewegendes Zeugnis gab ein Templer aus Llerida/Aragon, der 1310 vor der Inquisitionskommission erklärte. "Die Scheußlichkeiten, die dem Orden durch das angebliche Geständnis seiner Oberhäupter zugeschrieben werden, hat es niemals gegeben, und ich füge hinzu: Wenn der Großmeister des Ordens vom Tempel die Geständnisse gemacht hat, die man ihm in den Mund legt, was ich für meinen Teil niemals glaube, so hat er aus seinem Munde heimtückisch gelogen." Und der Organisator des aragonesischen Widerstandes, der Praezeptor Raimund Sa Guardia, erklärte furchtlos gegenüber seinen Anklägern: "Da sie kein einziges der Verbrechen, die sie uns zur Last legen, beweisen konnten, griffen diese Verderbten zur Folter, denn nur durch sie haben sie einigen unserer Brüder Geständnisse abgepreßt."

Das heldenhafte Verhalten der Templer wurde beinahe sprichwörtlich. Sa Guardia gehörte später zu den wenigen Freigesprochenen; die Vernichtung des Ordens jedoch wurde dadurch nicht aufgehalten. Alle Güter der Templer Aragons wurden, soweit nicht der König sie einbehielt, kurz nach der offiziellen Auflösung des Ordens dem Montesa-Orden übergeben.


Die Templer Portugals
Die Geschichte der Templer Portugals beginnt bereits kurz nach dem Entstehen des eigentlichen portugiesischen Staates. Erst 1095 war die Grafschaft Portugal von den Herrschern Kastilien-Leons weitgehend unabhängig geworden und hatte sich daran gemacht, die Mauren aus dem jungen Staate zu vertreiben.

Unterstützt wurden die portugiesischen Truppen dabei zunächst von den Templern, deren erste Verbände schon 1128 ins Land kamen. Ihnen folgten bald auch Ritter der anderen Militärorden. Die Orden profitierten - wie überall - kräftig von ihrer Beteiligung an der Reconquista. Etliche Burgen bekam allein der Templerorden geschenkt.

1159 überließ der König Afonso Herriques den Templern wegen ihrer Verdienste das Castelo de Ceras (im Tal des heutigen Tomar). Der templerische Kreuzzugsveteran und Provinzialmeister Portugals Gualdim Pias schließlich begann 1160 auf dem Berg nahe des Castelo (das ihm ungünstig gelegen erschien) mit dem Bau einer Templerburg, die er Tomar nannte und die bald zur am besten befestigten Templerburg Portugals wurde.

In den folgenden 150 Jahren bauten die Tempelritter ihre Position zu einer komfortablen Machtstellung aus. Die Könige Portugals gestatteten dem Orden sogar die Erhebung eigener Steuern und zählten bei der Sicherung ihrer Grenzen auf den Schutz durch die Templerkastelle. Zur Zeit des Komplotts gegen den Templerorden gehörten König Diniz von Portugal und der König von Kastilien zu den wenigen Monarchen, die den Orden vehement in Schutz nahmen. Zwar führten auch sie - pro forma - Verhaftungen durch, doch konnten sich Tempelritter, denen immerhin seit 1307 in fast ganz Europa die Folter und der Scheiterhaufen drohten - in Portugal relativ sicher fühlen. Nicht wenige der Verfolgten Brüder setzten sich daher 1307 nach Portugal ab. Seine wohlwollende, wenngleich nicht ganz uneigennützige Haltung dem Orden gegenüber zeigte Diniz besonders nach der Ordensauflösung im Jahre 1312. Denn im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten übergab er das Erbe der Templer nicht etwa dem Papst und ließ diesen die Weitergabe regeln, sondern er ließ einen eigenen Orden unter seiner Führung gründen, den Christusherrenorden.

Den Namen zu finden, war dem Regenten nicht schwergefallen. Er nahm einfach den zweiten ungebräuchlicheren Namen der Templer - Milites Christi - Christusritter. Schon dies deutete darauf hin, dass der Orden prinzipiell nichts weiter sein würde als der Templerorden mit neuer Bezeichnung. Die Ordenstracht, der weiße Mantel mit dem roten Tatzenkreuz, änderte Diniz nur um ein kaum wahrnehmbares Detail. Er fügte in das rote Templerkreuz ein kleines weißes Kreuz ein. Dieser neue Christusherrenorden erhielt nun 1317 den gesamten templerischen Besitz Portugals.

Damit war das gewaltige Vermögen zum Vorteil Portugals im Lande geblieben - und die Templer, die de facto den übergroßen Anteil der neuen Ordensbrüder stellten, konnten ihren Orden unter neuem Namen fortführen. Historiker sehen diesen Coup als Diniz größte Amtsleistung überhaupt an. Der Christusherrenorden aber begann sofort nach seiner Gründung eine Karriere, die unverkennbar templerische Züge trug. Er wurde in nur 100 Jahren wieder das, was vorher der Tempelherrenorden gewesen war - der mächtigste Ritterorden Europas.

Auf dem Scheiterhaufen
Zwischen 1310 und 1314 hatten bereits an verschiedenen Orten Frankreichs Scheiterhaufen gebrannt. In Paris, Senlis, Pont-de-l Arche und Carcassonnne waren Templer öffentlich den Flammen übergeben worden. Am 18.März 1314 wurde das Urteil gegen Jacques de Molay, den letzten Großmeister vollstreckt. Gemeinsam mit dem Meister der Normandie, der ebenfalls seine Geständnisse widerrufen hatte, wurde Molay zur Vesperstunde auf eine kleine Seine-Insel nahe den königlichen Gärten gebracht. Die Haltung des Großmeisters war nun, im Angesicht des Todes, keineswegs mehr angsterfüllt und erbärmlich, wie man ihm noch zu den Verhören vorgeworfen hatte.

Im Gegenteil: Man sah sie so entschloßen, den Feuertod zu erleiden, mit einer solchen Willenskraft, dass sie bei allen, die bei ihrer Hinrichtung anwesend waren, Bewunderung und Erstaunen wegen ihrer Standhaftigkeit im Sterben und im Leugnen (ihrer angeblichen Verbrechen) hervorriefen.

Molay starb würdig. Der Dichter Gottfried von Paris, der seiner Verbrennung beiwohnte, will jedoch auch noch die berühmten letzten Worte Molays gehört haben, die wie ein Fluch klingen und später zu allerlei abenteuerlichen Geschichten über die Rache der Templer führen sollten. Angeblich hatte der Großmeister, als er schon an den Pfahl gebunden war, ausgerufen:

"Ich werde sterben. Gott weiß, dass es zu Unrecht geschieht. Ihr Herren, wißt, dass alle jene, die gegen uns waren, für uns werden leiden müssen (...)."




Die Vernichtung des Templerordens
Der Orden der Tempelritter, 1119 in Jerusalem als Schutzmacht der Pilger des Heiligen Landes gegründet, stieg binnen zweier Jahrhunderte zum einflußreichsten Ritterorden der mittelalterlichen Welt auf. Durch geschickte Finanzpolitik, zahlreiche Privilegien und sprichwörtliche militärische Schlagkraft breitete er seinen Machtbereich auf ganz Europa und bis weit in den Orient hinein aus. Nach dem Scheitern der letzten großen Kreuzzüge geriet der Orden, dessen Macht inzwischen den Monarchen Europas unheimlich wurde, in die Kritik.

Der bankrotte französische König Philipp trachtete nach dem Ordensvermögen und nahm Gerüchte über den angeblichen Götzenkult und die Unzucht der Templer zum Vorwand, ein Komplott gegen den Orden zu schmieden, die Monarchen Europas auf seine Seite zu ziehen und 1308 schließlich europaweit die Templer verhaften zu lassen.
Mittels erfolterter Geständnisse wurde die Anklage begründet und 1312 schließlich der Papst, dem die Brüder offiziell unterstanden, zur Auflösung des Ordens gezwungen. Viele Templer starben im Kampf gegen die anrückenden Schergen, unter den Folterqualen oder auf den Scheiterhaufen der Inquisition, manche flohen in verfolgungsfreie Gebiete. Der Schatz der Templer jedoch blieb - zum Ärger der Könige - verschwunden


Der Fluch der Templer und der Tod Philipps
Ein geheimnisvolle Sage erzählt man sich über die Nacht nach Jacques de Molays Hinrichtung: Sieben verkleidete Templer seien zur Richtstätte geschlichen, hätten die Asche des verbrannten Großmeisters aufgenommen, in Richtung des königlichen Palastes geschleudert und ihren Feinden ewige Rache geschworen.

Der angebliche Fluch, den Molay selbst auf dem Scheiterhaufen ausgesprochen haben soll, fand in dieser Geschichte seine mythische Fortsetzung. Nur vier Wochen nach dem Feuertod starb Clemens V. Doch das verwunderte niemanden, denn der Papst war lange krank gewesen. Der Tod Philipps des Schönen, ebenfalls noch im Hinrichtungsjahre Molays, kam dagegen überraschend und ereignete sich - glaubt man den Sagen - unter mysteriösen Umständen:

"Er siechte dahin, löschte aus, ohne Fieber ohne sichtbare Krankheit, zum großen Erstaunen der Ärzte. Nie hatte man gedacht, dass er sterben müsse, gesund wie er immer gewesen war (...)."

So lautet jedenfalls eine der Versionen vom Tode des Königs. Andere besagen, er habe bei der Jagd die Vision eines Templers gehabt, sei gegen einen Baum gestürzt und habe sich tödlich verletzt. Aus wieder anderen Quellen geht hervor, der König habe einen Schlaganfall erlitten. Welcher Wert derart phantastischen Geschichten beizumessen ist, bleibt offen. Verbürgt ist lediglich, dass Philipp der Schöne noch zum Schloß Fontainebleau gebracht wurde. Dort starb er am 29.Dezember 1314.

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