Der Deutschritterorden

Die militärische Organisation des Deutschen Ordens.

1237 vereinigte sich der Deutsche Orden durch die Vermittlung des Papstes mit dem Schwertritterorden. Im Jahre 1309 wurde die Residenz des Hochmeisters von Venedig nach Preußen in die Stadt Marienburg verlegt. Der neue vereinigte Staat der Deutschritter genoß die wirtschaftliche Unterstützung der Hanse, des größten deutschen Städtebundes, der den Osten mit Hilfe des Ritterordens kolonisierte.
Für die Ausplünderung und Kolonisierung des Ostens schufen die Kreuzfahrer eine verhältnismäßig stabile militärische Organisation. Die militärische Disziplin wurde durch harte Maßnahmen aufrechterhalten, und alle Krieger mußten sich einer systematischen Ausbildung unterziehen. Auch in der Zivilverwaltung wurde eine militärische Disziplin eingeführt. So konnte das Heer binnen weniger Tage einberufen werden.
Das Oberhaupt des Ordens war der vom Generalkapitel gewählte Hochmeister. Neben ihm standen die fünf Großgebietiger (Großkomtur, Marschall, Großtreßler, der den Ordensschatz verwaltete, usw.). Ihnen folgten die Ritterbrüder, die Funktionen der Militär- und Zivilverwaltung ausübten; dann kamen die Halbbrüder oder die dienenden Brüder. Es waren vorzügliche, durch die einheimische Bevölkerung ergänzte militärische Kader.
Als die Kreuzfahrer zum Krieg gegen Polen und Litauen rüsteten, wandten sie sich an alle westeuropäischen Höfe um Hilfe. Aus allen Ländern, vor allem aus Deutschland, strömten ihnen Ritter zu, zuweilen auch Söldnertruppen. Die Kreuzfahrer schufen die beste zeitgenössische Reiterei. Ihren Truppen gehörten das berühmte Schweizer Fußvolk und die englischen Bogenschützen an.
Die Kreuzfahrer waren weit besser bewaffnet als die Polen und die Litauer. Die Ritter trugen gute und kostbare Helme, Harnische und von berühmten mailändischen, venezianischen und flandrischen Meistern gefertigte Panzer; sie führten schwere Lanzen und Schwerter. Ihre Pferde waren groß und stark, wenn auch reichlich plump und schwerfällig. Über der Rüstung trugen sie häufig Samt- und Seidenmäntel, goldene Gürtel oder Ketten. Die Rittermäntel waren weiß und mit einem schwarzen Kreuz versehen.
Die einzige wirkliche Waffengattung war die Reiterei; sie gliederte sich in schwere (Ritter), mittlere (Waffenträger) und leichte (bewaffnete Bogenschützen). Die Geschütze hatten noch keine Räderlafetten und wurden auf Karren transportiert. Die grundlegende Organisationseinheit war die Lanze, mehrere Lanzen bildeten ein Fähnlein. Neben der ritterlichen Reiterei existierte auch Fußvolk, aber ohne feststehende Organisationsformen. Es hatte keine militärische Bedeutung.
Die westeuropäischen Feudalritter nahmen in der Schlacht gewöhnlich in einem einzigen Glied Aufstellung; hinter ihnen standen die Waffenträger. Eine aus mehreren Gliedern bestehende Formation galt als Zeichen der Feigheit. Kein Ritter hätte sich dazu bereit erklärt, im zweiten Glied Aufstellung zu nehmen, da jeder einzeln und nicht in der Masse siegen wollte. Die Ordensdisziplin ermöglichte es, mit dieser Tradition zu brechen, und die Deutschritter stellten sich in vier Gliedern, zuweilen auch in zwei bis drei Linien, zur Schlacht auf. In der Schlacht auf dem Peipussee stellten sich die livländischen Schwertritter keilförmig auf. In der Schlacht bei Wesenberg (Rakwere) wurde die im Mittelpunkt der Schlachtordnung postierte Abteilung "Eierkopf", „eiserner Wald" oder „eiserner Eber" genannt. Mit diesen Schlachtordnungen konnten Manöver während des Kampfes durchgeführt werden.
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Der Krieg der Slawen gegen den Deutschen Orden.

Die Deutschritter nahmen den Polen das Dobrzyner Land und den Litauern Samogitien. Der litauische Fürst Witold unterstützte nun heimlich die Schmuden (Samogitier) gegen die Kreuzfahrer. Damit spitzten sich die Beziehungen zu den Kreuzfahrern immer mehr zu.
Die Deutschritter eroberten die an der Netze, einem Nebenfluß der Warthe, gelegene Feste Drezdenko und später das an der Warthe, einem Nebenfluß der Oder, gelegene Santog. Sie kaperten ferner polnische Schiffe, die mit Lebensmitteln nach Litauen unterwegs waren. Da erhoben sich die Schmuden und vertrieben die Kreuzfahrer.
Am 6. August 1409 erklärte der Hochmeister Ulrich von Jungingen dem König Jagiello den Krieg. Die Deutschritter annektierten litauisches und polnisches Gebiet und wollten ihren Besitz im Süden auf Kosten Polens und im Osten auf Kosten der litauischen und russischen Länder erweitern. Es war ein Eroberungskrieg der deutschen Feudalherren. Polen und Litauen schützten ihr Territorium gegen die fremden Eindringlinge und führten daher einen Verteidigungskrieg.
In der Anfangsperiode des Krieges eroberten und zerstörten die Deutschritter fünf polnische Grenzfestungen. Jagiello gab dem pospolite ruszenie den Befehl, sich zu sammeln. Zum Sammelpunkt wurde das 15 Kilometer von der Stadt Piotrkow (Petrikau) entfernt liegende Wolborz bestimmt. Am 9. September zogen mehrere Abteilungen ins Feld und nahmen die Festung Bromberg.
Im Herbst 1409 kam es zum Abschluß eines Waffenstillstandes, und die Truppen wurden nach Hause entlassen. Die Deutschritter konnten den Krieg nicht fortsetzen, da ihre Kräfte an der Grenze verstreut waren. Die Polen waren nicht auf den Krieg vorbereitet.
Beide Parteien nutzten den Winter, um für die Fortsetzung des Krieges zu rüsten. Die Polen hatten ihren militärischen Nachrichtendienst gut organisiert. In der Stadt Kozienice begannen sie mit den Vorbereitungsarbeiten zum Bau einer Weichselbrücke. Die Kreuzfahrer befestigten ihre Burgen, legten Lebensmittelvorräte an, gossen Geschütze, schmiedeten Harnische und Waffen, sammelten Söldnertruppen und Freiwillige und organisierten die Ausbildung ihrer Krieger.
Im Winter 1409/10 fand in Brest-Litowsk eine polnisch-litauische Beratung statt, auf der ein Kriegsplan entworfen wurde. Die Polen sollten sich in Wolborz sammeln und die Litauer und Russen vom Narew zu ihnen stoßen. Der Plan sah vor, mit vereinten Kräften gegen Marienburg zu ziehen, es zu erobern und den Orden zu vernichten.
Am 26. Juni 1410 rückte das polnische Heer aus Wolborz aus und zog über Sajmice (in der Nähe von Skierniewice) nach Biskupice. Dort erhielt der König die Nachricht, daß die Litauer mit den russischen Polks bereits am Narew ständen. Die russischen Polks waren von den zu Litauen gehörenden russischen Fürstentümern aufgestellt worden. Am kampftüchtigsten waren die Polks aus Smolensk.
Am 30. Juni wandte sich das polnische Heer über Sochaczew nach Tscherwinsk; dort traf am 2. Juli auch das gesamte litauisch-russische Heer ein. Die Verbündeten zogen nach Jezow wo sie am 5. Juli anlangten. Von dort aus wandten sie sich gegen Radzanow.
Am 7. Juli, auf dem Marsch, veranstaltete der König eine Truppenschau und ließ am selben Tag Probealarm geben. Die Truppenschau und der Alarm nahmen einen guten Verlauf und erfüllten die Truppen mit Siegessicherheit. Am 8. Juli wurde befohlen, Rast zu machen, und am 9. überschritt das Heer die Grenze. Dort wurden auch die Befehlshaber ernannt - Zyndram von Maszkowice befehligte die Polen und Witold die litauisch-russischen Polks.
Am 9. Juli wurde die deutsche Festung Lautenburg (Lidzbark) genommen. Soldau (Dzialdowo) und Neidenburg (Nidzica) waren bereits am 8. Juli erobert worden.
Als die Verbündeten am 10. Juli den Fluß Drewenz erreicht hatten, erblickten sie am anderen. Ufer die Kreuzfahrer in befestigter Stellung. Sie war von der Flußseite her durch einen Graben, ein aus zugespitzten Baumstämmen errichtetes Palisadenwerk und Artillerie geschützt. Die Kreuzfahrer zogen ihre Kräfte an der Grenze auseinander und schwächten sich dadurch.
Jagiello verzichtete darauf, über den Fluß zu setzen, und beschloß, ihn an seiner Quelle zu umgehen. Als Ulrich von dieser Bewegung des Gegners erfuhr, brach er nach Tannenberg auf, um dort den Verbündeten den Weg zu verlegen. Diese rasteten am 12. Juli und wandten sich am 13. gegen Gilgenburg. Dort stießen sie auf eine Kreuzfahrerabteilung, eroberten die Burg und plünderten die Stadt. Am 14. Juli rastete das Heer erneut.
Die Verbündeten errichteten ihr Lager in einem Wald, an der linken Seite eines Sees, der ihre rechte Flanke deckte. Zyndram sandte mehrere Patrouillen nach dem im Norden sichtbaren Dorf Tannenberg aus. Nach ihrer Rückkehr berichteten sie, daß auf den vor Tannenberg gelegenen Hügeln das gesamte Kreuzfahrerheer zu sehen sei.
Als die Kreuzritter ihren Gegner erblickten, machten sie in ihrer Unentschlossenheit halt, da das polnisch-russisch-litauische Heer im Wald stand und ihn nicht verließ. Ulrich berief einen Kriegsrat ein, der beschloß, dem König von Polen und Litauen als Herausforderung zwei Schwerter zu übersenden. Darauf zogen sich die Kreuzfahrer zurück, um den Platz für die Aufstellung des polnisch-litauischen Heeres frei zu machen.

Die Schlacht bei Grunwald (1410).

In dieser Schlacht besaßen die Kreuzfahrer über 51 Fähnlein, bestehend aus 22 verschiedenen Nationalitäten, aber vorwiegend deutsche Feudalherren. Nach den Berechnungen deutscher Historiker hatten die Deutschritter rund 11 000 Mann, darunter etwa 4 000 Ritter, 3 000 Waffenträger und 4 000 Armbrustschützen. Das deutsche Heer hatte Geschütze, die mit Stein- und Bleikugeln schossen.
Die Verbündeten verfügten über 91 Fähnlein (choragwie); 51 polnische und 40 litauische, sowie über etwa 3 000 Tataren. Das Heer bestand aus Polen, Russen, Litauern, Schmuden, Armeniern, Walachen sowie aus tschechischen, mährischen, ungarischen und tatarischen Söldnern - insgesamt etwa zehn Nationalitäten. Die tschechische Abteilung wurde von Zizka, einem hervorragenden Heerführer und tschechischen Nationalhelden, geführt.
Die polnischen Streitkräfte bestanden aus 7 Fähnlein gebürtiger Russen, 2 Fähnlein Söldner und 42 rein polnischen Fähnlein. Das litauische Heer hatte 36 russische Fähnlein Das polnisch litauische Heer hatte also insgesamt 43 aus Russen bestehende Fähnlein. Es zählte insgesamt rund 16 000 bis 17 000 Mann, die schlechtbewaffneten Litauer und die unzuverlässige tatarische Reiterei allerdings mit eingerechnet. Die Verbündeten waren den Deutschrittern zahlenmäßig überlegen. Die Vorzüge des Ordens waren die Disziplin, Kampfschulung und die gute Versorgung. Den zuverlässigen Teil des litauischen Heeres bildeten die Russen. Hervorzuheben sind die große zahlenmäßige Stärke des Fußvolks und der Söldnerabteilungen auf beiden Seiten.
Das Schlachtfeld befand sich südlich von Tannenberg. Die Gegend war ziemlich eben; es gab nur einige kleinere, von unbedeutenden Schluchten durchschnittene Hügelreihen. Die Gegner waren durch eine kleinere Talmulde voneinander getrennt.
Die Schlachtordnung der Verbündeten bestand aus drei Linien. An der rechten Flanke standen die von Witold befehligten Russen, Litauer und Tataren und an der linken die Polen unter dem Kommando Zyndrams. Die Polks aus Smolensk stellten sich im Zentrum auf. Die Ausdehnung der Front betrug zwei Kilometer.
Das Ordensheer, das zunächst ebenfalls in drei Linien Aufstellung genommen hatte, gruppierte sich später in zwei Linien um, um die Front zu verlängern. An der rechten Flanke befanden sich 20 Fähnlein unter Lichtenstein, an der linken 15 Fähnlein unter Wallenrode und in der zweiten Linie, als Reserve, 16 Fähnlein unter dem Kommando des Hochmeisters Ulrich von Jungingen. Die Frontbreite betrug zweieinhalb Kilometer. Um die Geschütze zu decken, ließ der Orden Armbrustschützen vorgehen. Die Artillerie wurde vor der Schlachtordnung des Deutschritterheeres in Stellung gebracht.
Der Hochmeister stellte sich an die linke Flanke, in der Nähe von Tannenberg; Jagiello hatte sich hinter seiner Schlachtordnung auf einer Anhöhe postiert.
Am 15. Juli, um die Mittagszeit, trafen die Herolde der Kreuzfahrer ein und überbrachten dem König die beiden Schwerter. Die Überreichung der Schwerter wurde vom König als Beleidigung aufgefaßt. Der König gab die Parole aus und befahl seinem Heer, Armbinden aus Stroh anzulegen, damit die Krieger in der Schlacht auseinandergehalten werden konnten. Er selbst begab sich in die Ebene, wo 1000 Schlachtizen auf den Ritterschlag warteten. Die Ritter schworen dem König, zu siegen oder zu sterben.
Die Polen rührten die Kesselpauken und stimmten ein altes Kampflied an. Gleichzeitig feuerten die Kreuzfahrer eine Geschützsalve ab. Die Kugeln flogen jedoch über die Köpfe der Verbündeten hinweg und fielen hinter ihrer Schlachtordnung zu Boden, ohne Schaden anzurichten. Die Schlacht begann.
Die erste Etappe der Schlacht - die gegen die rechte Flanke der Kreuzfahrer gerichtete Attacke der Tataren.
Witold ließ zuerst die Tataren vorgehen. Sie stürmten in einem ungeordneten Haufen auf die Kreuzfahrer ein und überschütteten sie mit einem Hagel von Pfeilen, die aber an den Ritterrüstungen abprallten. Darauf befahl Wallenrode,.die Tataren anzugreifen. Die Kreuzfahrer fällten ihre Lanzen und gingen zuerst im Schritt und dann im Trab vor. Als sie auf die Tataren stießen, flüchtete der Feind.

Die zweite Etappe der Schlacht - der Angriff der litauisch-russischen Truppen.

Zur Unterstützung der Tataren setzte sich die zweite und dritte Linie des litauischen Heeres in Bewegung, wurde jedoch von den Kreuzfahrern durch einen heftigen Gegenangriff zurückgeworfen. Am längsten hielten die Fähnlein aus Wilna und Troki stand, mußten aber schließlich ebenfalls weichen. Die Litauer wurden von 9 Fähnlein Wallenrodes verfolgt. Nur 3 Polks aus Smolensk unter dem Befehl Juri Mstislawskis blieben auf dem Schlachtfeld und leisteten zähen Widerstand. Sie wurden von sechs Fähnlein Wallenrodes umzingelt. Ein Polk wurde im Handgemenge völlig aufgerieben, während sich die beiden anderen zur rechten Flanke der Polen durchschlugen und sie deckten. Dieser Umstand war für den weiteren Verlauf der Schlacht von großer Bedeutung.
Die dritte Etappe der Schlacht - der Angriff der ersten Linie der Polen.
Nun führte Zyndram die 17 Fähnlein der polnischen ersten Linie gegen die Kreuzfahrer. Ulrich von Jungingen ließ die 20 Fähnlein Lichtensteins gegen sie vorgehen. Es kam zum erbitterten Kampf, in dessen Verlauf die Polen die Linie der Kreuzfahrer durchbrechen konnten. Aber jetzt kehrten die deutschen Fähnlein zurück, die die Litauer verfolgt hatten. Sie stießen gegen die rechte Flanke der Polen vor und fielen ihnen teilweise in den Rücken. Doch die Smolensker Polks hielten diesem Stoß stand und retteten dadurch die Polen vor der Niederlage.
Indessen fiel das große Königsbanner, und für die Verbündeten trat eine Krise ein. Darauf ließ Jagiello die zweite polnische Linie vorgehen, die unter dem Schutz der russischen Polks soeben den Angriff der Fähnlein Wallenrodes abgeschlagen hatte. Die zweite Linie und die russischen Polks eilten der ersten zu Hilfe, retteten das Banner, umzingelten Lichtenstein und drängten ihn zurück. Die Kreuzfahrer zogen sich allmählich zurück.
Die vierte Etappe der Schlacht - der Kampf der dritten polnischen Linie und der Vorstoß der zurückgekehrten litauisch-russischen Truppen.
Der Hochmeister wollte unbedingt den Widerstand der Polen brechen und warf seine aus 16 Fähnlein bestehende Reserve in die Schlacht, um die Polen von rechts zu umfassen und ihnen in den Rücken zu fallen. Die dritte polnische Linie stürmte den Deutschrittern in schräger Richtung entgegen. Statt anzugreifen, brachte Ulrich seine Fähnlein plötzlich zum Stehen. Die Polen nutzten das aus und schritten zum Gegenangriff.
Da ertönte der Ruf: „Die Litauer kehren zurück!" Witold hatte die geflohenen Litauer gesammelt und führte sie erneut gegen die Kreuzfahrer. Dieser Vorstoß der Litauer und der zurückgekehrten russischen Polks entschied die Schlacht. Das Kreuzfahrerheer wurde geschlagen.
Ulrich wurde von den litauischen Kriegern getötet. Sechs deutsche Fähnlein verließen panikartig das Schlachtfeld. Ein Teil der Kreuzfahrer suchte Schutz in ihrer Wagenburg; sie wurde vom verbündeten Heer im Sturm genommen. Der Feind erlitt hohe Verluste, aber auch die Verbündeten erkauften sehr teuer ihren Sieg.

Das verbündete Heer verfolgte den Feind auf eine Entfernung von 25 bis 30 Kilometern und blieb dann zum Zeichen des Sieges drei Tage lang auf dem Schlachtfeld. Der Verzicht auf eine strategische Verfolgung rettete die Reste des Ordensheeres vor der völligen Vernichtung.
Die Verbündeten erreichten erst am 25. Juli Marienburg. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Kreuzfahrer ihre zerstreuten Truppen bereits wieder gesammelt und eine starke Besatzung in die Festung gelegt. Die Verbündeten konnten Marienburg nicht nehmen.
Witold weigerte sich, veranlaßt durch Intrigen, den Krieg fortzusetzen.

Fazit:

Dieser Sieg der Slawen war von großer politischer Bedeutung. Die Kreuzritter hatten eine neue Abfuhr erhalten. Die militärische Macht der Deutschritter war gebrochen.
Hervorzuheben ist bei diesem Krieg vor allem seine politische Vorbereitung. Die Polen und Litauer schoben durch Verhandlungen den Ausbruch des Krieges hinaus und gewannen dadurch Zeit zu rüsten. Die Deutschritter machten dagegen von ihrer Kriegsbereitschaft keinen Gebrauch und verpaßten den günstigen Zeitpunkt für den Angriff.
Die Verbündeten trugen den Krieg in feindliches Gebiet. Es war ein, mit offensiven militärischen Kampfmethoden geführter Verteidigungskrieg. Die Verbündeten werteten den Sieg auf dem Schlachtfeld im taktischen Rahmen aus, ohne aber eine strategische Verfolgung zu organisieren. Dadurch konnten sich die Kreuzfahrer zur Verteidigung vorbereiten.
Die Polen richteten einen guten Spionagedienst ein, organisierten aber keine Truppenaufklärung.
Die Schlacht wurde durch den letzten Angriff der litauisch-russischen Truppen entschieden.
Die taktische Tiefenstaffelung der Truppen erhöhte die Hartnäckigkeit und die Dauer des Kampfes. Die einzelnen Teile der Schlachtordnung manövrierten. Es existierte eine Reserve, die im Feudalheer sonst kaum gebildet wurde. Die Reserve beeinflußte jetzt den Schlachtverlauf. Es wurden Feldbefestigungen errichtet wie zum Beispiel am Ufer der Drweca.
Die Schlacht bei Grunwald vermittelt eine Vorstellung vom mittelalterlichen Reiterkampf und zeigte ferner die besondere Verwundbarkeit der Flanken der Schlachtordnung der Reiterei. Während die Deutschritter Flankenangriffe unternahmen, strebten die Verbündeten, ihre Flanken zu sichern. Beide kämpfenden Heere besaßen Fußvolk, das aber an der Schlacht offenbar nicht teilnahm; es schützte den Troß. Das Artilleriefeuer hatte auf den Verlauf der Schlacht keinen Einfluß.

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