Der Templerorden

Die Aufnahme in den Orden
Der Aufnahme in den Templerorden ging ein einjähriges Noviziat voraus. Am Beginn dieser Probezeit stand ein Initiationsritual, das mit einer Art Verhör einherging und den Aufnahmewilligen auf seine Festigkeit im Glauben und seinen Willen zum Gehorsam und zur Askese überprüfte: Am Aufnahmeritual beteiligt waren zumindest ein Meister, ein Kaplan und einige Ritter.

"Ihr begeht, was groß ist, und ihr kennt die harten Vorschriften nicht, die in diesem Orden befolgt werden. Ihr seht uns mit schönen Gewändern, schönen Pferde, großer Ausrüstung, aber das strenge Leben des Ordens könnet ihr nicht kennen. (...)
Wenn ihr auf der einen Seite des Meeres sein wollt, so werdet ihr auf die andere Seite des Meeres geschickt; und umgekehrt. Wollt ihr schlafen, so müßt ihr wachen und hungrig müßt ihr fortgehen, wenn ihr essen wollt; ertragt ihr all dies zur Ehre, zur Rettung und um des Heils eurer Seele Willen?
Wir möchten von euch wissen, ob ihr katholischen Glaubens seid (...). Habt ihr auch kein körperliches Gebrechen, das (...) die Teilnahme am Kampf unmöglich macht?
Ihr müßt bei Gott und der Jungfrau Maria schwören und versprechen, dass Ihr dem Großmeister des Tempels stets gehorchen werdet (...). Beantwortete der Novize die Fragen zur Zufriedenheit, so ließ man ihn auf ein gewisses Buch schwören, anschließend leistete er den Treueid."

Dann wurde ihm der Mantel umgelegt, er empfing die Segnung, und es küßt ihn Meister, Kaplan und auch die Ritter auf den Mund, was als Symbol des Friedens galt. Damit war die Aufnahme förmlich vollzogen. Der Aufnahmeritus, einschließlich des Kusses, war prinzipiell dem feudalen Ritual der Lehnsübertragung nachgebildet und hatte nicht viel von einem okkulten Geheimritual. Im Mittelpunkt der Zeremonie stand ein schlichtes Gelübde auf die Ordensregel.




Die Ordensregel
Wie jeder christliche Orden besaß auch der Tempelherren-Orden ein Regelwerk, das das Zusammenleben der Gemeinschaft, ihre Aufgaben, den Tagesablauf und die Aufnahmeriten eindeutig festschrieb. Die Templer legten ihre Ordensregel auf dem Konzil von Troyes im Jahre 1128 in 72 Paragraphen nieder. Zusätzliche Verordnungen und Ergänzungen ließen diesen Regelapparat jedoch im Laufe der Zeit auf ein ganzes Buch anschwellen. Ursprünglich verfaßte man die Regel auf Latein, nach ihrer Änderung jedoch wurde sie in das Französische - die Verkehrssprache des international agierenden Ordens - übertragen. Obwohl jedes Ordenshaus mindestens eine Kopie des Regelwerkes besaß und die Zahl der Ordenshäuser in die Tausende ging, nimmt es doch Wunder, dass ganze drei Exemplare der Nachwelt erhalten blieben.

Der Inhalt der Ordensregel war umfangreich, ist jedoch dem Sinn nach schnell erklärt. Als wichtigstes Substrat der Regelanweisungen sind festzuhalten:
- Strenge Befolgung des Mönchsgelübdes, insbesondere des Keuschheitseides
- Anerkenntnis der Ordenshierarchie mit allen Privilegien und Aufgaben
- Zeiteinteilung des Tagesablaufs nach Arbeit, religiösen Pflichten und Reaktion
- Festlegung der Vorschriften über das gemeinsame Essen und die Beschaffenheit der Unterkünfte
- Festlegung des Aufnahmerituals
- Kleiderordnung
- Umgang mit Fremden, Besuchern oder Exkommunizierten
- Ausdrückliche Verbote
- Strafen im Falle eines Verstoßes gegen die Regeln
Es ist viel darüber spekuliert worden, ob neben dieser offiziellen Version der Ordensregel noch eine zweite, eine Geheimregel kursierte. Angeblich befanden sich in ihr ketzerische Statuen, von denen drei derart schrecklich gewesen sein sollen, dass nur Gott, der Teufel und die Meister des Ordens von ihnen gewußt hätten.

Die Existenz solcher Geheimregeln ist nie bewiesen worden; in des hat die Behauptung ihres Vorhandenseins nicht nur das Schicksal der Templer, sondern auch ihren okkultistischen Ruf bis in die Gegenwart hinein wesentlich mitbegründet.


Sakraler Tagesablauf eines Templers
Die religiösen Vorschriften des Templeralltages entsprachen ganz den Erfordernissen eines Ritterordens, der sich oft auf dem Schlachtfeld fern der Heimat aufhielt. Normalerweise nahm der Gottesdienst in vielen Klöstern der Zeit einen beträchtlichen Teil des Tages ein.

Auch die Templer waren angehalten, sich im Frieden nach den Regeln des Mönchstums zu verhalten. Bis zu sieben feste Gebetszeiten kannten die Häuser, namentlich bei Sonnenaufgang das sogenannte Laudes (Frühgebet), die Gebete zur 3., 6. und 9., das Vespergebet, das abendliche Komplet sowie einen Mitternachtgottesdienst. Hinzu kamen Samstagabends und Sonntagsfrüh die Eucharestiefeiern.

Mit Gebeten begann eine jede Mahlzeit und während des Mahls las ein Lektor einige Abschnitte der Heiligen Schrift. Für Schlacht- und Kriegszeiten bot die Ordensregel jedoch eine Verkürzung der regelmäßigen Messen, um den notwendigerweise durch die militärischen Pflichten bestimmten Tagesabläufen der Krieger entgegenzukommen.

Auch gestattete man den Brüdern in der ersten Fassung der Ordensregel ausdrücklich, während des Gottesdienstes zu sitzen; diese ungewöhnliche und unübliche Regelung war einmal mehr eine templerische Ausnahme. Man achtete sehr darauf, dass die Krieger ihre Kräfte für den Krieg sammelten und sie nicht etwa schon im alltäglichen Gottesdienst vergeudeten.


Lebenskomfort und Tagwerk der Templer
Was ein Templer in seinem Schlafraum vorfand, war von der Ordensregel festgelegt. Einfaches Bettgeschirr und hölzernes Mobiliar entsprachen den Vorschriften der Mönchsaskese. Besaßen die Klöster eigene Zellen für jeden Mönch, durften deren Türen nicht abgesperrt werden.
Die Statuten gestanden den Templern weiches Bettzeug zu; geschlafen wurde allerdings - dies ebenfalls eine regularische Forderung - in bekleidetem Zustand. Mit dem Morgengrauen war die Ruhe in der recht komfortablen Bettstatt beendet; es sei denn, die schwere Arbeit des Vortages rechtfertigte eine etwas ausgedehntere Ruhezeit. In diesem Fall konnte dem erschöpften Ritter eine Stunde längerer Verbleib im Bett erlaubt werden. Allerdings war diese Zusatzmuße dann nicht etwa schlafend, sondern mit dem Rezitieren des Vaterunsers zuzubringen.

Spätestens nach einer solchen Verlängerung der Schlafenszeit war es endgültig vorbei mit der Erholung. Der Präzeptor eines Klosters teilte die Ritter zu täglichen Bewirtschaftungsdiensten ein, die natürlich außerhalb der Gebetszeiten zu verrichten waren. Wer nicht solchermaßen verplant war, hatte sich der Pflege seiner Pferde und Waffen und der Instandhaltung des klösterlichen und militärischen Geraste zu widmen. In Kriegszeiten bestimmte der Kampf den Alltag, und das Bett mußte mit dem Feldlager vertauscht werden.

Dies entband den Templer jedoch nicht von der Pflicht, gewisse Regeln des Zusammenlebens einzuhalten, die auch für den Militärbereich galten und disziplinarische Forderungen über das Marschieren, Fechten und Lagern enthielten.


Speis und Trank im Templerkloster
Was das Essen betrifft, so war bei den Templern die mönchische Askese sozusagen außer Kraft gesetzt. Gespeist wurde zwar wie in allen Klöstern schweigend, aber im Unterschied zu anderen Gemeinschaften ausgesprochen opulent und auch vergleichsweise häufig, nämlich zweimal täglich. Hunger verspürten die Tempelbrüder mithin allenfalls zur Fastenzeit.

Ausdrücklich sah eine Regel vor, dass zwei, wenn möglich sogar drei verschiedene Gerichte zur Auswahl gestellt werden mußten, damit Mönchsritter in jedem Fall etwas vorfinden würden, das ihnen geschmacklich zusagte. Fleisch war den Kämpen allein dreimal in der Woche vorzusetzen.

Der Grund für diese reichhaltige Versorgung war sicher - ähnlich wie bei den Sonderregelungen zum Gottesdienst - in der Sorge um die Konstitution der Krieger zu sehen. Die mittelalterliche Anekdote vom Herrn Brot und Wasser, der unter den Entbehrungen der Mönchsaskese entkräftet vom Roß gefallen war, mag heute Heiterkeit auslösen; die Templer jedoch verstanden in derartigen Dingen keinen Spaß; sie achteten strikt darauf, dass ihre Mannen bei Kräften blieben.

Es gab aber noch einen weiteren Grund für die reichhaltigen Mahlzeiten. Die Templer waren durch die Ordensregel verpflichtet, die Armen zu speisen und Schutzbedürftige oder Gäste aufzunehmen. Durch den Überfluß des Essens war sichergestellt, dass einerseits der Orden seine humanitären Aufgaben erfüllen konnte und andererseits auch die Brüder nicht zu kurz kamen.


Der Aufbau eines Klosters
Zwischen dem 6. und 11.Jahrhundert bildete sich eine feste räumliche Aufteilung für christliche Klöster aus. Üblicherweise bestand ein Kloster aus folgenden baulichen Funktionseinheiten:
Kapitelsaal (Versammlungsraum der Ordens- oder Klosteroberen), oratorium (Betraum, Kirche), biblioteca (Bücher - und Leseraum), coquina (Küche), cella hospitum (Gastraum), cella novitiorum (Novizenzelle), cella infirmorum (Krankenstation), parlatorium (Besucherraum), calefactorium (Wärmstube für die Winterzeit) und dormitorium (Schlafraum). Das dormitorium war in frühen Klöstern ein gemeinschaftlicher Schlafsaal, in dem die Mönche gemeinsam, aber in einzelnen Betten nächtigten. Später schaffte man in vielen Klöstern den Schlafsaal ab und ging zu einer Unterbringung in einzelnen Zellen über.

Der gesamte Wohnbereich und die Zeremonialräume bildeten den Kern eines jeden Klosters und standen unter strenger Klausur: Sie durften ohne besondere Erlaubnis weder von Brüdern verlassen noch von Fremden betreten werden. Frauen war der Zutritt zum Klausurbereich ohnehin ganz verboten. Nach Möglichkeit legte man alle notwendigen Wirtschaftsgebäude (Mühle, Werkstätten, Brunnenhaus) um die Kernbauten herum und noch innerhalb der Grenzmauern an, damit die Ordensbrüder ihr Kloster nicht oder nur selten zu verlassen brauchten.


Die Kirchen der Templer
Ein klassisches Thema der Auseinandersetzung zwischen Mystikern und nüchternen Mediavisten ist der Kirchenbau der Templer. Es gab prinzipiell drei Sorten von Templerkirchen: Einschiffige Bauten mit Tonnengewölbe, halbüberkuppelte, ebenfalls einschiffige Gebäude und schließlich auch einige Zentralbauten, das heißt Kirchen mit rundem oder vieleckigem Grundriß. Vor allem an letzterer Bauart scheiden sich die Geister. Ausgiebig - und lange Zeit unwidersprochen - haben Mystiker und Esoteriker behauptet, dass die Mönchsritter ihren Sakralbauten komplizierte Konzepte zugrundelegten, die sich an der Zahlensymbolik der jüdischen Geheimlehre Kabbala orientierten.

Am beliebtesten ist dabei der Verweis auf die Ähnlichkeit der wenigen oktagonalen (achteckigen) Templerkirchen mit dem ebenfalls achteckigen Felsendom zu Jerusalem, der als Vorbild für die Templerbauten gedient haben soll. Die Zahl Acht symbolisiert in der Kabbala Erneuerung und Wiedergeburt; den Anhängern mystischer Theorien galt dies lange als Beweis für das symbolistische Baukonzept der Tempelritter.

Die Zweifel an solchen Theorien sind gleichwohl begründet. Natürlich schrieben die Templer ihren Kirchen als steingewordenes Stück Himmel symbolische Bedeutung zu. Aber die achteckigen Bauten, über die man immerhin sagen kann, dass sie sämtlich nach Osten zur aufgehenden Sonne ausgerichtet waren, stellen eine so kleine Minderheit unter den mönchsritterlichen Gotteshäusern dar, dass sie nicht als Repräsentativ gelten können. Überdies hat man nachgewiesen, dass lange vor den Templern auch in Westeuropa achteckige Kirchen gebaut wurden.

Der Historiker Demurger verneint mystifizierende Erklärungsansätze deshalb und fragt schlicht: Wie sah eine normale Templerkirche aus? Die Antwort gibt er selbst: Sehr einfach und viereckig. Festzuhalten bleibt: Die Tempelritter orientierten sich beim Kirchenbau nicht an mystischen Universalkonzepten, sondern hauptsächlich an den Stilistiken der jeweiligen lokalen Bautradition.


Die Templer und Lehre vom Kosmos
Am Portal der Templerkirche zu San Bartolome finden sich zwei merkwürdige Darstellungen von männlichen Köpfen, aus denen konzentrische Kreise ragen. Man hat sich gefragt, ob diese Bildnisse auf die besondere Beschäftigung der Templer mit den Gesetzen des Kosmos verweisen.
Dafür gibt es Anhaltspunkte. Denn im frühen und hohen Mittelalter stellte man sich den Kosmos als ein konzentrisch ineinandergeschachteltes System von Sphären vor: Das ptolemaeische Weltbild, dass das physische Universum als ein achtschaliges Sphärenmodell mit der Erde im Mittelpunkt repräsentierte, war das ganze Mittelalter hindurch gültig; erweitert wurde es aber durch Elemente einer mystischen Weltsicht, die noch weitere spirituelle Sphären aufführte, in denen man die Wohnorte der Heiligen, der Engel und Gottes selbst vermutete.

Interessant ist die Theorie, die der deutsche Mönch Honorius Agustodunensis daraus entwickelte. Er behauptete bereits im 12.Jahrhundert, der Mensch sei ein Mikrokosmos, der in sich die Elemente und Formen des Makrokosmos, des gesamten Universums, bereits enthalte und gleichsam widerspiegele. Seine Überlegungen gipfeln in der für die Zeit höchst erstaunlichen Schlußfolgerung, die Welt sei kugelig, weil auch der menschliche Kopf eine Kugel sei. Vielleicht symbolisierten die Templer diese Einheit des Menschen mit dem Kosmos durch die Köpfe, die am Portal von San Bartoloms zu sehen sind.

Die Vorstellung des Dualismus vom Makro- und Mikrokosmos jedenfalls war ein fester Bestandteil der mystischen Welterklärung der Templer: Eine jede Kathedrale symbolisierte in verkleinerter Form den Himmel, die Schönheit des Menschen sah man als verkleinertes Abbild der Schönheit Gottes. Aus kreisförmigen Sphären bestand die Welt, und der Kreis als Symbol der Vollkommenheit und Ewigkeit vereinte Gott und die Menschen zu einer universalen Einheit.


Der Baumeister des Ordens
Viele historische Darstellungen zeigen den Großmeister der Tempelritter mit einem sogenannten Abakusstab. Die Bedeutung eines solchen Stabes verweist auf die Tradition der Baukunst: Der Abakusstab galt als Standeszeichen des Meisters aller Baumeister.

Die Templer versinnbildlichten mittels des Stabes ihren Glauben, am Aufbau des Reiches Gottes auf Erden mitzuwirken; der Großmeister war mithin gleichsam Herr einer ideellen Bauzunft, die ihrem irdischen Wirken nicht nur im Bau des Gottesreiches, sondern auch in der Errichtung gotischer Bauwerke Ausdruck gab. Die europäischen Kathedralen als steingewordene Abbilder des himmlischen Jerusalems wurden maßgeblich von Templern mitfinanziert.

Nach verschiedentlich geäußerten Vermutungen sind die mittelalterlichen Bauhüttenzünfte direkt aus klösterlichen Bruderschaften hervorgegangen und waren diesen als Nebenorden verbunden. Auch für den Templerorden gab es eine solche Bauzunft, die Bruderschaft der Söhne Salomons, die sich führend am Bau großer Kathedralen beteiligte.

Später wurde der Gedanke von der baumeisterlichen Bestimmung eines Ordens und der Aufgabe vom Bau eines Gottesreiches in verschiedenen bündischen Organisationen wieder aufgenommen. Insbesondere die Freimaurer erklärten - allerdings ohne religiösen Hintergrund- das ideelle Baumeisterdasein, d.h. die Arbeit am Menschen, zum Hauptzweck ihrer Vereinigung.


Die Kleidung der Templer
Wie in allen Klosterregeln des Mittelalters war auch bei den Templern die Kleiderordnung genau festgelegt. Durch den Kleiderkodex unterschieden sich die Templer äußerlich von anderen Orden und gaben zudem ihrer internen Hierarchie Ausdruck. Das wichtigste Kleidungsstück eines Templer war die Chlamys, der weiße Mantel.

Nach der Ordensregel von Troyes wurde dieser Mantel zunächst zum Habit für alle Brüder erklärt. Seine Symbolwirkung beschrieb die Regel so:

Diejenigen, die das düstere Leben aufgegeben haben, erkennen durch die weiße Kutte an, dass sie mit ihrem Schöpfer versöhnt sind: sie bedeutet die körperliche Unbeflecktheit und Gesundheit (...), sie ist Keuschheit, ohne die niemand Gott sehen kann.

Bald war die Chlamys jedoch nur noch den Rittern vorbehalten; die dienenden Brüder, weil nichtadliger Herkunft, trugen nun einen Mantel aus braunem Tuch. Das rote Tatzenkreuz, das auf dem Mantel über dem Herzen zu tragen war, wurde erst 1147 als Erkennungszeichen eingeführt. Es symbolisierte die Leiden Christi, war aber zugleich ein Symbol des Kreuzzugsgedankens. Rot war es, da auch das von Jesus für die Menschen vergossene Blut rot war. Mantel und Kreuz, die beiden Attribute des Mönchsrittertums, setzten sich im Laufe der Zeit in allen Ritterorden durch, wobei die Farben des Kleides und des Kreuzes je nach Orden variierten.


Die Waffen der Templer
Die Ausrüstung der Tempelritter entsprach ganz den Requisiten des kämpfenden Rittertums: Die Streiter der Reiterei saßen schwer gepanzert zu Roß; sie trugen mit Eisenplatten verstärkte Lederjacken, später auch Kettenhemden oder ganzmetallene Panzer mit Halsschutz. Gepanzert waren jedoch nicht nur die Reiter selbst, sondern auch deren Pferde.

Überwurfdecken mit eingearbeiteten Metallplatten sorgten dafür, dass das Pferd als wichtigster Teil des Ritters möglichst lange unversehrt blieb. Den Kopf eines Kämpfers schützte ein Helm (Eisenhut), der mit einem Visier oder einer Nasenplatte versehen sein konnte.

Zu ihrem Schutz trugen Reiter wie Fußsoldaten große Schilde mit den templerischen Wappenzeichen. Die eigentliche Bewaffnung richtete sich nach der Stellung der Soldaten und war auf ihre Aufgaben und Bedürfnisse zugeschnitten: Während die Berittenen mit Schwert und Lanze ausgerüstet waren, verfügte das Fußvolk zum Teil über Distanzwaffen wie Wurfspieß und Armbrüste. Bei den Feinden gefürchtet war die Wirkung der beidhändig geführten Langschwerter.

Ein Teil der templerischen Kavallerie war auch ausgerüstet wie sein orientalischer Gegner, um dessen Kampfestaktik besser begegnen zu können: Nach Türkenart kämpften manche Reiterabteilungen mit Pfeil und Bogen.


Turniere und Manöver
Gemäß ihrer Selbstbestimmung waren die Templer nicht nur eine klösterliche Gemeinschaft, sondern vor allem eine reguläre Armee. Es versteht sich daher, dass die kämpfenden Brüder sich regelmäßigen Manöverschulungen unterwarfen, um für kommende Schlachten gewappnet zu sein.

Man weiß von mehreren Übungsplätzen, auf denen die Templer sich eigens zur Übung kriegerischer Handlungen trafen; auch ist sicher, dass die Tempel Komtureien sowohl im Orient als auch im Abendland regelmäßig interne Wettkämpfe im Bogen- und Armbrustschießen austrugen.

Ein Ordensstatut erlaubte diese Form des Wettspiels ausdrücklich, während etwa Glücksspiel, Jagd und weltliches Turnier streng verboten waren. Wahrscheinlich dienten auch regelmäßige, gruppenweise Ritte von Herberge zu Herberge den Templern als Reitschulung für Kavallerieangriffe. Diese Formen der Übung mögen um so wichtiger gewesen sein, als die üblichen Trainingsmöglichkeiten mittelalterlicher Ritter - das Turnier und die Jagd - den Templern durch die Ordensregel verboten waren.


Unter dem Banner der Macht
Das Banner der Templer, der sogenannte baucent, symbolisierte am treffendsten die ambivalente Geisteshaltung, die dem Wirken der geschäftstüchtigen Mönchsritter zugrunde lag. Baucent, das hieß zweigeteilt oder zweifarbig, denn geteilt in Schwarz und Weiß war das Banner: Weiß als Zeichen der Reinheit und Keuschheit, Schwarz aber als Symbol für Kraft und Mut.

Sie sind offen für ihre Freunde, dunkel und schrecklich für ihre Feinde

- so formulierte es ein Zeitgenosse der Ritter. Das Templerbanner faste somit symbolisch das Verschmelzen der Mönchs- mit den Rittertugenden unter einer Flagge zusammen. Krieg und Frieden waren den Templern keine Gegensätze mehr, sondern bildeten eine ideologische Einheit.

Hoch aufgerückt trugen die Templer ihr Banner in jede Schlacht und schützten es mit zahlreichen Rittern. Der Verlust des symbolträchtigen Wimpels oder sein Fall galten als militärische Katastrophe. Dem Träger des Banners oblag somit schwere Verantwortung: unterstand er sich, die Bannerstange zu senken und als Waffe zu benutzen, drohten ihm schwere Ordensstrafen.

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